LEGENDÄRE COMPILATIONS

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Hardcore Vol. I

(LP, Starving Missile, 1988)

Das Label Starving Missile aus München war mir seit 1983 ein Begriff. Darauf aufmerksam wurde ich durch die DEAD KENNEDYS-Live-LP „A Skateboard Party“. In der Folgezeit wurde das Label ein Garant für gute Veröffentlichungen im Bereich Punk und Hardcore, nicht nur aus der BRD, sondern gerade auch aus den USA. Bei „Hardcore Vol. I“ handelt es sich um die dritte Compilation aus dem Hause Starving Missile, ein „Volume II“ allerdings gab es nie. Mein Interesse galt damals den deutschen Bands, gerade auch EA80. Diese covern mit „Drums over London“ einen Klassiker der englischen Band THE DISCO ZOMBIES aus dem Jahr 1976. Laut Aussage der Mönchengladbacher war dieses Cover eines ihrer ersten Lieder überhaupt, allerdings hatten sie es mit einem deutschen Text versehen und in „Gladbach soll brennen“ umgetauft. Hier gibt es nun eine gelungene Version mit dem Originaltext. Ihr zweiter Beitrag ist mit „Ostsee“ eigentlich auch eine Neuauflage, dieses Mal von einem ihrer eigenen Songs von 1983.
AIDSCATS aus Bremen sind ebenfalls mit zwei Songs dabei. Der Bandname ist ein Malapropismus und bezieht sich auf die Dortmunder Rockabilly-Combo ACE CATS. Ihre beiden Stücke, „Straße nach nirgendwo“ und „Kein Anlaß zur Romantik“, zeigen das Format dieser Hardcore-Punk-Band mit Female/Male-Gesang, der zu Zeiten ihrer Existenz leider keine eigene Vinyl-Veröffentlichung gelungen ist. Erst 1997 erschien posthum eine 7“ mit fünf Tracks. Die Saarbrücker CROWD OF ISOLATED hauen mit „Woman“ und „Run ’til death“ zwei Hardcore-Smasher im Stil von BAD BRAINS raus, die mich komplett geflasht haben. So viel geballte Energie, dieser ungestüme Drang nach vorne und das Gefühl, dass sich eine Band in Bezug auf die eigene mögliche Geschwindigkeit selbst zu überholen scheint – genau das verbinde ich mit dem Begriff „Hardcore“. Die Entscheidung, die damals noch jungen CROWD OF ISOLATED auf den Sampler zu nehmen, zeigt vom guten Gefühl von Labelmacher Mike Just.
BOSKOPS aus Hannover sind mit zwei Songs von ihrer 1987 erschienenen LP „F.E.D.I.A.“ dabei. „Schokolade und Schläge“ thematisiert die mutmaßlich autobiografischen Erfahrungen eines Scheidungskinds, während „Videot“ die Verblödung durch Massenkonsum von Videos aufgreift, alles verpackt in wütenden Hardcore-Punk. DREAM POLICE aus Aarhus, Dänemark spielen manischen vertrackten Hardcore. ARTLESS, nicht zu verwechseln mit der Deutschpunk-Band, sondern aus New York City, hatten ihre beiden LPs auf Starving Missile rausgebracht, auch von ihnen gibt es zwei Songs, irgendwo zwischen melodischem Punk und Hardcore. K.G.B. aus Tübingen covern zum Schluss den STOOGES-Klassiker „Search & destroy“, das tun sie zwar gekonnt, aber es wirkt dennoch etwas deplatziert. Die nur auf 1.000 Exemplare limitierte LP wurde leider nie wieder neu aufgelegt. Zur Geschichte des Labels gibt es auf der Ox-Website ein langes Interview.

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