LEGENDÄRE COMPILATIONS

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Welcome To Venice

(LP, Suicidal, 1985)

Kurze Zeit nachdem SUICIDAL TENDENCIES 1983 ihr Debütalbum veröffentlicht hatten, sah sich die Band einem Auftrittsverbot in Los Angeles ausgesetzt, nachdem es während einer Show im Perkins Palace zu Gewaltexzessen kam, wobei die ersten zehn Sitzreihen herausgerissen wurden und kein Veranstalter die Verantwortung übernehmen wollte. Sänger Mike Muir und Bassist Louiche Mayorga gründeten in dieser Zeit Suicidal Records. Die 1984 von Muir gegründeten LOS CYCOS – Mayorga stieß erst wenig später hinzu –, schrieben mit „It’s not easy“ und „A little each day“ zwei Songs, von denen der erste auf der Compilation „Welcome To Venice“ erscheinen sollte, der ersten Veröffentlichung des neuen Labels.
Diese Zusammenstellung bietet einen kleinen, aber dafür sehr feinen Überblick über die damals wilde Cyco-Band-Szene von Venice, einem kleinen Küstenort, der zu Los Angeles gehört. Neben genannten LOS CYCOS sind auch SUICIDAL TENDENCIES mit einem Song vertreten, der nur hier zu finden ist, nämlich „Look up ... (The boys are back)“. Die weiteren Bands sind BEOWÜLF, NO MERCY und EXCEL, die hier erstmals einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht wurden und alle später Alben auf Suicidal Records veröffentlichen sollten. BEOWÜLF und EXCEL konnten auch darüber hinaus Karriere machen und tourten mehrfach in Europa. Die beiden BEOWÜLF-Songs präsentieren eine Band, die wie ein Mix aus eben SUICIDAL TENDENCIES und MOTÖRHEAD klingt. NO MERCY bieten ebenfalls klassischen Hardcore an der Grenze zum Metal. Muir ersetzte später deren Originalsänger Kevin Guercio und nahm ein Album mit ihnen auf, nur um danach Gitarrist Mike Clark für SUICIDAL TENDENCIES abzuwerben. EXCEL zeigen in ihren drei Songs bereits eine klare Metal-Kante, die auf späteren Alben noch ausgeprägter sein sollte.
Für das Artwork zeichnet Michael Seiff verantwortlich, der auch weitere Alben von SUICIDAL TENDENCIES, EXCEL, NO MERCY, aber auch von WASTED YOUTH oder UNCLE SLAM gestalten sollte. Diese Compilation wurde offiziell nur auf Vinyl und Kassette veröffentlicht, und da die Mastertapes wenig später bei einem Brand vernichtet wurden, erfuhr es keinen offiziellen Rerelease und ist im Original kaum noch zu bezahlen. Spätere, teilweise remasterte Veröffentlichungen auf CD und Vinyl, noch zu normalen Kursen zu bekommen, sind sämtlich Bootlegs. Ähnlich den frühen Veröffentlichungen auf Doug Moodys Mystic Records ist es das Verdienst von Suicidal Records, mit „Welcome To Venice“ ein akustisches Zeitdokument der Venice-Szene geschaffen zu haben, das auch heute noch hörenswert ist. Wer wissen will, was mit dem Begriff „Venice Hardcore“ gemeint ist, der hört in dieses Album rein.

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