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Diesmal: Rechtsextremismus auf Spotify & Co. - Alles darf, solange es Geld bringt

Es ist kein Geheimnis, dass sich Rechtsextreme und rechtsextremes Gedankengut auch auf einer Plattform wie Spotify breitmachen. Sie verbreiten sich nicht nur auf Social Media immer mehr und immer offener, auch auf Spotify gedeihen diese Inhalte. Es bedarf dabei keiner aufwendigen Recherche, um auf erste rechtsextreme Playlists zu stoßen, die von User:innen erstellt wurden. Nein, es reicht schon aus, auf Spotify ganz platt nach „Rechtsrock“ zu suchen, um etliche Playlists mit rechten Inhalten angezeigt zu bekommen. Dabei wählen User:innen dafür Namen wie „Deutsche Wut“, „Heimatliebe und Nationalstolz“ oder auch „Ausländer raus“. Dabei bleibt es aber nicht, auch die Playlist-Coverbilder zeigen oftmals Motive wie etwa die Reichskriegsflagge. Besonders häufig hinzugefügte Bands sind hier beispielsweise KRAWALLBRÜDER, BÖHSE ONKELZ oder GOITZSCHE FRONT.

Und was unternimmt Spotify dagegen? Nicht genug, denn die Playlists sind einfach auffindbar und haben oftmals mehrere tausend Likes. Es scheint Spotify also nicht weiter zu stören, dass offen rechtsextreme Inhalte auf ihrer Plattform stattfinden – schließlich verdient Spotify auch Geld am Streaming von „Grauzone“-Bands. Die Rückgratlosigkeit der Plattform erkennt man darüber hinaus aber auch daran, dass hier ein Podcast wie „The Joe Rogan Experience“ offen unterstützt wird. Host ist der US-Amerikaner Joe Rogan, der speziell während der Pandemie, aber auch darüber hinaus immer wieder Falschinformationen verbreitet hat und auch fragwürdige Aussagen seiner Interviewpartner ohne weitere Einordnung stehen lässt.

Nun muss man bei Spotify aber erst mal anfangen, rechte Musik zu streamen, um diese auch weiter vorgeschlagen zu bekommen. Auch nach rechten, von User:innen erstellten Playlists muss man erst selbst aktiv suchen, um darauf zu stoßen und den Algorithmus in diese Richtung zu steuern. Anders ist es da schon bei einer App wie TikTok, wo ebenfalls Rechtsrock stattfindet und rechtsextreme Inhalte geteilt werden. Interessant ist hier noch zu ergänzen, dass das aktuell nicht die einzige Baustelle der Plattform ist. TikTok ist gerade noch damit beschäftigt, die unabhängigen Musikvertriebe dieser Welt, die sich in einem Netzwerk namens Merlin zusammen finden und somit eine größere Marktmacht erreichen, zu spalten. Statt mit dem Indie-Netzwerk Merlin nämlich über eine Verlängerung und aus Sicht der Indies auch Verbesserung des bestehenden Deals zwischen beiden zu verhandeln, hat sich TikTok dazu entschieden, gar nicht erst für einen Dialog offen zu sein. Stattdessen will TikTok lieber Verträge mit den einzelnen Musikvertrieben direkt abschließen, bei denen man sich sicher sein kann, dass die Konditionen noch schlechter als bei Merlin ausfallen werden. Es darf angenommen werden, dass es das Ziel von TikTok ist, eine noch geringere Bezahlung für das Bereitstellen von Musik auf der Plattform zu etablieren. Warum das hier wichtig ist? Weil es unter anderem zeigt, wie viel Wert TikTok auf Profit legt und wie wenig der Plattform offenbar an qualitativ zumindest halbwegs anspruchsvollem Content gelegen ist. Umso weniger überrascht es also, dass Rechtsrock und Videos mit rechtsextremen Inhalten ungefiltert auf TikTok stattfinden können – die Hauptsache wird auch hier sein, dass User:innen mit den Inhalten interagieren, was TikTok wiederum Geld einbringt.

Auf TikTok gibt es dabei allerlei fragwürdigen Content – angefangen bei sogenannten „Alpha Males“ mit Typen wie dem Frauenhasser Andrew Tate über offen rechtsextreme Clips, in denen beispielsweise bestimmte Nazi-Codes verwendet werden, bis zur Verbreitung von einschlägig umgetexteten Songs und eigens für die AfD geschriebenen Liedern. Auch BÖHSE ONKELZ und FREI.WILD finden auf TikTok statt, letztere auch mit eigenem Account. Die Kommentarspalten, es ist keine Überraschung, sind oft gefüllt mit blauen Herzen – ein Zeichen für den Support der AfD. Und wer immer noch glaubt, „Cancel Culture“ habe einen nachhaltigen Effekt – aktuell trendet der RAMMSTEIN-Titel „Sonne“ auf TikTok, und das ausgerechnet im Zusammenhang mit Videos vom Kölner Dom. Verantwortung und bewusster Konsum von Content und Musik auf TikTok? Fehlanzeige. Umso wichtiger ist es in solchen Zeiten, Gatekeeping an den Nagel zu hängen und nicht ständig jeden Nachwuchs-Punk auf TikTok als Poser zu bezeichnen.

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