PUNK NET - GEN Z ENTDECKT SUBKULTUR

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Diesmal: Subkultur unter dem strengen Auge des Konservatismus

Clean Goth, Tradwife, Punk als Fashion-Statement – alle diese Trends prophezeiten bereits, dass die Zeit des Anderssein ein Ende findet. Die TikTok-„For You“-Page wird nicht länger von E-Girls und E-Boys regiert, nein, stattdessen soll alles „clean“ sein, natürlich, und möglichst angepasst. Je weniger man aus der Masse hervorsticht, desto besser. Und auch die Online-Diskussionen nehmen immer mehr Argumentationspunkte der Konservativen an. Wie offen für Subkultur ist Gen Z dann überhaupt noch?

Der Einheitsbrei, der mittlerweile auf TikTok vorherrscht und das „Anderssein“ als abstoßend verteufelt, erschwert es, Subkultur für eine neue Generation (Gen Z) zugänglich zu machen. Gerade in Zeiten, in denen Faschismus und rechte Ideologien immer salonfähiger werden, ist Anderssein ein wichtiges Zeichen der Rebellion. Denn Rechte wollen keine Individuen, keine „gegen den Mainstream“ laufenden junge Leute. Dazu kommt: immer mehr konservatives Gedankengut bahnt sich den Weg in alltägliche Online-Diskussionen, ohne direkt aufzufallen. Statt Liberation, Feminismus, und Progression scheint Gen Z sich mittlerweile so weit in eine Richtung gedreht zu haben, dass wir wieder da angekommen sind, wo wir angefangen haben: Frauen werden für die Taten von Männern verantwortlich gemacht, „slut shaming“ ist wieder in, und auch sonst scheint man Frauen wieder weniger zuzutrauen als noch vor zehn Jahren während der „Girl Boss Era“.
Stattdessen ist Gen Z prüde geworden. Das beste Beispiel dafür ist die Diskussion rund um Sabrina Carpenters neu angekündigtes Album „Man’s Best Friend“. Auf dem Albumcover zeigt sich der Popstar auf allen Vieren, während ein Mann an ihren Haaren zieht. Kurz nach Ankündigung hagelt es massenhaft Kritik online: Sie sei unfeministisch, sie würde Feminismus Jahrzehnte zurückwerfen, sie gebe sich dem „Male Gaze“ hin, sogar bis hin zu Vorwürfen, sie würde explizit auf das Buch beziehungsweise den Film „Lolita“ verweisen, worin ein Mann eine 12-jährige missbraucht (sehr vereinfacht ausgedrückt). Schwere Vorwürfe für ein Cover, das eigentlich recht unaufgeregt ist. Kunst, die auch mal anstößig sein darf? Bei Gen Z anscheinend Fehlanzeige. Hier gilt: Je cleaner, desto besser.
Dass ein Cover, das nicht mal viel nackte Haut zeigt und Anstößigkeit nur suggeriert, so einen Shitstorm erlebt, sagt viel über den aktuellen Stand der Gen Z aus. Während schon vor Jahrzehnten Popstars für Album- und Magazincover oder Musikvideos blank gezogen haben und (explizit!) anstößig waren, haben wir uns nun wieder so weit in eine Richtung zurückentwickelt, in der offenbar nur das Image des „braven Mädchens“ noch legitim ist. Nun kann einem Punk-Fanzine natürlich die Diskussion rund um ein Mainstream-Pop-Albumcover egal sein. Wenn Gen Z sich aber schon bei einem so zahmen und im Massenmarkt vertretenen Cover dermaßen echauffiert, dann muss man sich auch fragen, wie viel Toleranz noch für Subkultur übrig bleibt. Denn gerade TikTok ist zu einer enorm wichtigen Plattform geworden, wenn es um die Entdeckung von neuer Musik geht.
Es ist naheliegend, dass junge Menschen heute in erster Linie auf TikTok mit Subkultur in Kontakt kommen. Wenn ihnen aber suggeriert wird, dass Sabrina Carpenters Albumcover schon zu aufregend ist, wie viel Auflehnung gegen den Mainstream können sie dann bei Subkulturen akzeptieren? Wie würden sie auf eine Pop-Punk-Künstlerin wie Scene Queen reagieren, die ihr letztes Album „Hot Singles In Your Area“ genannt hat und in „18+“ über den Missbrauch innerhalb der Szene spricht? Bei lauter „Cleansein“ besteht die Gefahr, dass „Anderssein“ und kontroverse Themen nicht mehr in Gen Z stattfinden, aus Angst, es könnte etwas Anstößiges sein. Wenn immer versucht wird, ein „cleanes“ Image zu haben, von kontroversen Themen wegzubleiben, damit man keinen Shitstorm auf sich zieht – wie viel Toleranz hat Gen Z dann noch? Und wie viel konservative Propaganda konnte bereits in alltägliche Diskussionen einfließen? Es ist dann wohl auch nur noch eine Frage der Zeit, bis die „Satanic Panic“ ein Comeback erlebt und Metal wieder als teuflisch dargestellt wird.
Ein Hoch auf das Internet!

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