PUNK NET - GEN Z ENTDECKT SUBKULTUR

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Diesmal: Übernahme durch KI - Können wir online noch Musik entdecken?

Eine Weile hatte Subkultur eine große Präsenz auf TikTok, vor allem dank des Hypes um „E-Girls“ und „E-Boys“ im Jahr 2020, doch seit einiger Zeit ist eine gegenteilige Entwicklung zu erkennen. Sicherlich auch dank des immer salonfähiger werdenden Konservatismus bis zu Positionen von Rechtsaußen im Mainstream, die Trends wie „clean girls“ auf TikTok befeuern. Aber auch der Boom rund um KI macht es immer schwieriger, online Subkultur und vor allem echte Musik zu entdecken.

Mittlerweile ist KI so fortgeschritten, dass man sich bei dem einen oder anderen Video auch als Gen Z-ler eingestehen muss, dass man KI-Inhalte nicht mehr zwingend von realen unterscheiden kann. Zu KI-generierten Fotos und Videos kommt aber auch KI-generierte Musik, die immer mehr auf dem Vormarsch ist. Spotify und auch alle anderen Streaming-Plattformen haben ein großes Problem: sie werden mittlerweile von KI-Musik regelrecht überflutet. Erst im September hat Deezer bekannt gegeben, dass der Anbieter jeden Tag über 30.000 KI-generierte Songs übertragen bekommt, was mittlerweile 28% der täglichen Musik-Anlieferungen ausmachen soll. KI-generierte Musik und auch KI-generierte Bands sind kein Gespenst, das erst noch in der Zukunft auf uns wartet, sondern ein Phänomen, das bereits heute massiv auftritt.

Eines dieser Phänomene ist die „Band“ BLEEDING VERSE, die gerade auf Social Media die Runde macht. Eine KI-generierte Band, die sich in ihrer Bio auf Spotify selbst so beschreibt: „Human lyrics, turned to songs with AI“. Die Band hat im Juli ihr erstes und bisher einziges Album veröffentlicht, und dennoch bereits über 600.000 monatliche Hörer:innen und einen der meistgestreamten Songs mit über 3 Millionen Aufrufen (Stand: Ende Oktober). Welche Stichpunkte im Prompt wahrscheinlich angegeben wurden, kann man sich auch denken – es sind klare Einflüsse von Bands wie BAD OMENS oder auch SLEEP TOKEN zu erkennen. Wenn man sich das gesamte Album anhören möchte, findet man sicherlich noch mehr Bands, die in einem möglichen Prompt vorgekommen sein könnten. Kein Herz, keine Seele, und dennoch über eine halbe Million monatliche Hörer:innen ...
Es ist ein Beispiel dafür, was aus Musikkonsum geworden ist: Konsum, ohne viel Inhalt; Konsum, ohne sich weiter mit den Künstler:innen hinter der Musik zu befassen. Gerade auf TikTok ist das ein Problem. Eine App, die von Musik lebt – und dennoch ist die Musik hier größtenteils zweitrangig, im Vordergrund steht das Visuelle. Und auch die Subkultur, die zweitweise sehr präsent auf TikTok war, hat an Bedeutung verloren. Stattdessen stehen weiterhin Clean Girls, Tradwives und Mainstream-Themen im Vordergrund. Aber nicht nur TikTok verschiebt die Bedeutung von Musik.

Die Streaming-Ära befindet sich anscheinend kurz vor einem Umbruch. Immer lauter werden die Stimmen derer, die ihre Spotify-Abos kündigen und zu anderen Anbietern wechseln. Auch der generelle Hype um Spotify scheint abzuflauen: Ende Oktober gibt es noch keine Aufregung rund um Spotify Wrapped, das in den vergangenen Jahren immer ein großes Internet-Event gewesen ist. Auch die Anzahl an Bands, die ihre Musik von Spotify entfernen, steigt langsam – auch aufgrund von Daniel Eks Investment in ein Unternehmen, das sich auf Drohnen und KI für Militäroperationen spezialisiert hat. Stattdessen werden auf Social Media physische Formate angepriesen und iPods aus den Tiefen des Kellers hervorgeholt. Denn: ein Großteil der Menschen möchte sehr wohl seine Musik noch selbst entdecken. Echte Musik, keine Algorithmus-getriebenen, KI-generierten Musikinhalte.

Das Interesse daran besteht weiterhin oder insbesondere in heutigen Zeiten, und so darf auch die Bedeutung von physischen Medien, wie dem Ox, nicht unterschätzt werden, wo es noch echte Menschen gibt, wo Clickbait keine Bedeutung hat, wo Inhalt noch echt und authentisch ist und wo echte Menschen echte Reviews zu echten Bands schreiben. Physische Medien werden immer eine Überlegenheit gegenüber digitalen Medien haben, denn digitale Medien werden wir nie wirklich besitzen, digitale Medien können verändert werden, und Kultur muss gerade angesichts des aufkommendem Faschismus auch archiviert werden können. Dafür bedarf es der Arbeit von Medien wie beispielsweise dem Ox: Kultur wird bewahrt, der Zeitgeist wird reflektiert, und es kann noch echte Musik und Subkultur entdeckt werden.

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