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Diesmal: Wie TikTok weiter zur Spielwiese der Rechten wird

Es wirkt wie ein perfekt inszenierter Shutdown, als TikTok am 18. Januar, bereits knapp eine Stunde vor der Deadline, User:innen aus den USA den Zugang zur App verwehrt. Zuvor hatten amerikanische Influencer:innen Abschiedsvideos aufgenommen, in denen sie sich den Tränen nahe zeigten und das Ende von TikTok betrauerten. Doch das TikTok-Aus dauerte nur knapp zwölf Stunden und endete mit großem Dank an Donald Trump.

Dabei wurde das Ende von TikTok bereits 2020 gefordert – von Donald Trump, der ein mögliches Aus der App in den USA überhaupt erst ins Spiel brachte. Vier Jahre später, 2024, wird es konkret: im April wird beschlossen, dass TikTok entweder in den USA verboten wird oder die App an eine US-Firma verkauft werden müsse, um weiterhin in den USA verfügbar sein zu dürfen. Der Grund: Es gebe Bedenken, was den Umgang mit User-Daten betrifft. TikTok stimmt einem Verkauf nicht zu und scheitert auch mit einer Klage vor Gericht. Am 19. Januar ist es dann soweit: TikTok soll in den USA verboten werden. Bereits gegen 23 Uhr Ortszeit beschränkt TikTok am 18. Januar den Zugang von US-User:innen zur App. Wenn User:innen versuchen, sie zu öffnen, erscheint nur noch der Hinweis, dass das Angebot aufgrund eines Gesetzes nicht mehr in den USA verfügbar sei, sie aber bereits mit Trump gemeinsam an einer Lösung arbeiten würden, die App wieder verfügbar zu machen. Passend dazu postet Trump dann am 19. Januar auf seiner eigenen Plattform Truth Social: „SAVE TIKTOK“. Kurz darauf gibt er bekannt, dass er eine Durchführungsverordnung unterzeichnen wird, die das Verbot von TikTok weiter aufschiebt. Circa zwölf Stunden nach dem Aus geht TikTok in den USA wieder online und begrüßt seine amerikanischen User:innen mit der Nachricht: „Thanks for your patience and support. As a result of President Trump’s efforts, TikTok is back in the U.S.!“ Einen Tag später nimmt TikTok-CEO Shou Zi Chew an Trumps Amtseinführung teil.

Die Inszenierung geht auf: User:innen bedanken sich bei Trump, dass sie die App wieder nutzen können, wie beispielsweise James Charles, der über 40 Millionen Follower:innen auf TikTok hat. Kurz darauf korrigiert er sich selbst und postet ein Video, in dem er dazu aufruft, nicht auf Trumps Masche reinzufallen. Und doch funktioniert es – genug junge Leute finden gut, dass Trump sich scheinbar für ihre Sorgen (ein TikTok-Aus) einsetzt, und vergessen dabei, dass das Ganze überhaupt erst durch Trump ins Rollen gekommen ist. Es ist ein Muster, das er immer wieder anwendet: Er kreiert ein Problem, wo eigentlich keins ist, und bietet dann die Lösung dafür an. Und sieht sich selbst als Held.

TikTok ist aber nicht die einzige Plattform, die sich Trump beugt. Während X mit Elon Musk schon längst auf Trumps Seite steht und kontinuierlich Falschinformationen verbreitet, hat auch Meta eingelenkt. Laut Zuckerberg will Meta weniger Faktenchecks durchführen, um die Meinungsfreiheit zu schützen – indem es also mehr Desinformation gibt. Die Ironie dürfte eindeutig sein. Auch auf X dürften die Falschmeldungen weiter zunehmen, auch wenn diese App bereits voll davon ist. Musk will die Community Notes abschaffen – ein Feature, das es erst seit einiger Zeit gibt und dazu dient, Postings mit irreführenden oder falschen Informationen richtig zu stellen. Meinungsfreiheit gibt es offenbar nur dann, wenn man den Reichen und Rechten nach dem Mund redet.

Was bleibt also, wenn alle großen Social-Media-Plattformen von Konservativen und Rechten für die Verbreitung von Fake News genutzt werden? Zu X gibt es bereits Alternativen, die aktuell beliebteste dürfte dabei Bluesky sein, das ähnlich wie X oder auch Instagrams „Threads“ funktioniert. Das Problem bei solchen Alternativen ist aber, dass es unglaublich schwer ist, sich gegen Plattformen durchzusetzen, die bereits seit vielen Jahren etabliert sind. Solange nicht ein großer Teil der User:innen zu einer Plattform wie Bluesky wechselt, können sie gegen die Marktmacht von X nicht ankommen. Außerdem besteht bei vielen User:innen das Gefühl, X nicht einfach den Rechten überlassen zu wollen, zumal Twitter damals offener und eine sehr beliebte App war. Überlässt man X den Rechten, gibt es auch niemanden mehr, der Community Notes mit Richtigstellungen verfasst, der Postings zitiert und Falschinformationen identifiziert. Ohne eine Gegenbewegung wird X ausschließlich aus rechtem Gedankengut, Propaganda und Fake News bestehen.

Zum Schluss noch die guten Neuigkeiten: Die Linke holt (Stand Februar) die AfD in Sachen Beliebtheit auf TikTok ein. Es gibt also doch noch Hoffnung.

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