Punk Net - Gen Z entdeckt Subkultur

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Diesmal: Das Ende der „Girl Boss“-Ära - Wie Lifestyle-Trends wie „Tradwife“, „Clean Goth“ und „SAHGF“ politische Entwicklungen reflektieren

Unlängst ist Donald Trump als neuer US-Präsident auf sein Amt eingeschworen worden. Eine Entwicklung, die auf verschiedenen Ebenen beunruhigend und schockierend ist. Es ist auch ein weiteres Zeichen dafür, dass Konservatismus weiter auf dem Vormarsch ist und das lässt sich auch anhand von gesellschaftlichen Entwicklungen, insbesondere von Lifestyle- und Modetrends ablesen, erkennbar vor allem auf einer Plattform wie TikTok.

Es ist noch nicht lange her, da herrschte in den 2010ern eine „Girl Boss“-Mentalität vor. Karrierefrauen lagen im Trend und aus allen Ecken hörte man Rufe wie „Selbst ist die Frau“. Es wurde uns vermittelt: Als Frauen können wir alles schaffen, auch ohne die Hilfe von Männern, und die Karriere kann gerne vor der Familiengründung kommen. Es war eine Zeit der Unabhängigkeit, der „Girl Power“, und der Weiterentwicklung. Weniger als zehn Jahre und eine Trump-Präsidentschaft später zeigen insbesondere Trends auf TikTok, wie sehr sich die politische und gesellschaftliche Landschaft seither wieder verändert hat. Denn Mode ist oft, bewusst oder unbewusst, auch ein politisches Statement. Punk zeigte das ganz deutlich – die Ablehnung des Konservativen, des Mainstreams, des „Normalseins“. Man identifizierte sich durch bestimmte äußerliche Merkmale, um Zugehörigkeit untereinander zu zeigen. Das ist nicht viel anders bei den Trends auf TikTok, die zwar deutlich schnelllebiger sind, immer aber auch gesellschaftliche und politische Phänomene aufgreifen.

Die Pandemie scheint dabei ein Wendepunkt gewesen zu sein. Anfang 2020 gab es noch eine regelrechte Hochphase der alternativen Subkulturen, in Form von „E-Girl“ und „E-Boy“, die klare Merkmale der Emo-Kultur beinhalteten und für junge Menschen auf TikTok sicherlich erste Berührungspunkte mit alternativer Subkultur darstellten. Aber auch der Trend war schnell wieder vorbei und machte Platz für neues, wie beispielsweise die „Trad Wives“. Immer mehr weibliche Influencer haben an Reichweite gewonnen, die ihren Millionen von Followern ihr Leben als „Tradwife“, also „traditional wife“, präsentieren. Ganz vorne mit dabei ist auch die Deutsche Nara Smith, die über elf Millionen Follower auf TikTok hat. Diese „Tradwives“ präsentieren sich oft als Frauen, die lange, „anständige“ Kleider tragen, die in der Kinderbetreuung aufgehen und allein den Haushalt schmeißen. Einige leben auch auf Farmen, wo sie sogar ihr eigenes Essen anbauen und ernten. Sie wollen eine „traditionelle“ Ehefrau repräsentieren, die nur für Haus und Kinder zuständig ist, während der Ehemann die finanzielle Versorgung sicherstellt. Dieser Lebensstil wird auf TikTok mittlerweile so weit romantisiert, dass immer mal wieder auch der Begriff „SAHGF“ fällt, was für „stay at home girlfriend“ steht. Also eine Frau, die zwar in einer festen Beziehung mit einem Mann ist, allerdings nicht verheiratet ist, sich aber dennoch von dessen Einkommen abhängig macht, ohne beispielsweise bei einer Trennung gesetzlich abgesichert zu sein. Was viele dabei zu vergessen scheinen: Die „Trad Wife“-Influencer mit mehreren Millionen Followern sind ganz sicher nicht einzig vom Einkommen des Mannes abhängig, denn ihr Online-Dasein bringt ihnen sicherlich eine Menge Geld ein.

Während solche Trends eher im Mainstream existieren, beeinflusst der Hang zum Konservatismus mittlerweile aber auch die Subkulturen. Beispielsweise gibt es nun neben dem altbekannten „Goth“ nun auch „Clean Goth“, was eine Anspielung an die „Clean Girl“-Ästhetik ist. Beim „Clean Girl“ geht es darum, als Frau immer gepflegt und elegant auszusehen, die Freizeit mit Pilates zu verbringen und auch sonst das eigene Leben komplett im Griff zu haben, also rundum perfekt zu sein. Als Abwandlung von „Goth“ muss „Clean Goth“ im Umkehrschluss bedeuten, dass die traditionelle Goth-Kultur „dreckig“ wäre, und drängt junge Frauen dazu, sich weniger stark zu schminken und auch die sonst auffällige Kleidung auf einen unscheinbareren „Basic Look“ zu reduzieren. Bei diesen Trends merkt man schnell, dass es immer weniger um den Ausdruck der eigenen Identität geht und immer mehr darum, anderen zu gefallen. Gerade beim „Clean Look“ kann man schnell den Bogen dazu spannen, dass das Ziel am Ende ist, Männern zu gefallen, die mit dem wachsenden Konservatismus wohl auch einen Wunsch nach „natürlichen“, ergo „traditionellen“ Frauen haben.

Trotz eines erfolgreichen „Brat“-Sommers und der „Eras“-Tour, bei der Freundschaften unter Frauen im Mittelpunkt standen, schleicht sich diese Haltung immer weiter in die breite Gesellschaft ein und es gibt online eine subtile, vor allem durch Trends geleitete Bewegung zurück zu den überkommenen „traditionellen“ Geschlechterrollen. Nicht zuletzt tragen auch wir Frauen selbst zu diesen Entwicklungen bei, mit Trends wie „I’m just a girl“, der auf dem Song „Just a girl“ von NO DOUBT basiert. Während es darin selbst heißt: „Oh I’m just a girl, all pretty and petite / So don’t let me have any rights“, scheinen User auf TikTok den Text wortwörtlich zu nehmen und ihre Fehler oder auch fehlendes logisches Denken damit zu begründen, dass sie ja „nur“ ein Mädchen seien. Man mag argumentieren, dass es sich dabei ja „nur“ um TikTok-Trends handelt. Aber in Anbetracht von einer weiteren Präsidentschaft von Trump, Kanzlerkandidaten wie Merz und einer immer stärker werdenden AfD sind Trends nicht bloß Trends, sondern eine Reflexion von politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die mittlerweile die „Girl Boss“-Ära komplett hinter sich gelassen zu haben scheinen.

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