
Insbesondere in Deutschland galt Spotify viele Jahre als unangefochtener Spitzenreiter, wenn es um Musikstreaming ging. Es wirkte angesagt, modern, und war die Plattform, die man als „cooles kid“ nutzte. Doch die schöne Fassade des Streaming-Giganten bröckelt immer weiter.
Eine gewisse aufgeladene Stimmung rund um Spotify war schon immer spürbar. Seit 2012 gibt es die Plattform mittlerweile in Deutschland und genauso lange wird wohl auch schon darüber diskutiert, dass Künstler:innen von Spotify nicht gerecht entlohnt werden. Auch international war das ein großes Thema – Taylor Swift entfernte 2014 ihren gesamten Musikkatalog von Spotify, da sie die niedrige Ausschüttung an Künstler:innen kritisierte und der Meinung war, dass Musik von Grund auf einen Wert hat, der auch bezahlt werden sollte. Erst 2017 kam sie zur Plattform zurück.
Doch das ist nicht der einzige Schandfleck, der mittlerweile an Spotify haftet. Dieses Jahr ist besonders der Gründer Daniel Ek in den Fokus geraten, der mit seinen Investitionen in ein KI-Militärunternehmen Schlagzeilen machte. Da dürfte es wenig überraschen, dass Spotify nicht besonders streng gegen komplett KI-generierte Musik auf der eigenen Plattform vorgeht. Im November gab es Schlagzeilen zu Spotifys „Viral Charts“ – eine täglich aktualisierte Playlist, die die „heißesten“ und „meist geteilten“ Songs beinhaltet. In den Niederlanden belegten da kurzerhand KI-generierte rechtsextreme Songs die besten Plätze.
Komisch eigentlich, denn laut der Plattformregeln erlaubt Spotify keine Inhalte, die zu Gewalt oder Hass gegen Menschen aufrufen, aber so genau scheint es die Plattform mit ihren eigenen Regeln nicht zu nehmen. Bereits vor der KI-Flut gab es immer wieder laute Stimmen, die infrage gestellt haben, wie gründlich Spotify eigentlich gegen rechtsextreme Inhalte auf der Plattform vorgeht. Denn auch in den vergangenen Jahren gab es bereits mehr als genug private Playlists, die rechtsextreme Titel und rechtsextreme Symbole im Playlist-Cover hatten und in denen rechte bis rechtsextreme Bands zu hören waren.
Für Spotify gilt anscheinend auch die US-Einwanderungsbehörde ICE nicht als menschenverachtend, die fleißig Rekrutierungsanzeigen auf Spotify US schaltet. Laut Spotify wird auch hier nicht gegen ihre Plattformregeln verstoßen. Und solange Geld reinkommt, scheint es egal zu sein, woher das Geld kommt und für welche menschenunwürdigen Aktionen es genutzt wird.
Der Schatten über Spotify wird also immer größer, doch das nicht ohne Konsequenzen. Es macht sich immer mehr Unmut breit gegenüber Spotify. Die Probleme werden mehr, und damit auch die Anzahl der User:innen, die unzufrieden sind. Schaut man sich Spotifys Beliebtheit im Internet an, wird deutlich, dass auch hier Einbußen zu erkennen sind. Auch 2025 gab es wieder ein Spotify Wrapped, das sich aber deutlich anders angefühlt hat als in den vergangenen Jahren. Während in der Vergangenheit auf Spotify Wrapped regelrecht hingefiebert wurde, als wäre es ein eigener Feiertag, fiel die Stimmung dieses Mal eher zurückhaltend aus. Auch gab es diesmal deutlich mehr Postings von Leuten, die nur die erste Hälfte des Jahres in ihrem Spotify Wrapped vertreten hatten – danach sind sie zu anderen Plattformen gewechselt.
Für die Musikindustrie und die Künstler:innen wäre es sicherlich nicht verkehrt, wenn Spotify seine bisher unangefochtene Marktmacht nun endlich verliert oder zumindest eine fairere Verteilung zwischen den Streaming-Anbietern entsteht. Vielleicht wagt Spotify dann auch mal mehr Innovation in Punkten, die nicht schon längst von anderen Apps abgedeckt werden (wer braucht direkte Nachrichten innerhalb von Spotify oder eine TikTokifizierung der Plattform?). Vielleicht haben sie dann mehr Zeit, in Funktionen zu investieren, die andere Plattformen schon seit Jahren haben. Erst in diesem Jahr hat Spotify beispielsweise Lossless Audio eingeführt, also eine hochwertigere Audioqualität. Anbieter wie beispielsweise Apple Music und Tidal haben das schon seit Jahren und verlangen dafür auch keinen Aufpreis, anders als es bei Spotify der Fall ist.
Aktuell bleibt aber die größte Gefahr für die Musikindustrie KI-generierte Musik, die sich unkontrolliert ausbreitet und nur dafür sorgen wird, dass echte Künstler:innen noch weniger ausgeschüttet bekommen als jetzt schon. Die einzige, vielleicht naive Hoffnung ist, dass die KI-Bubble von selbst platzt und wieder Raum für echte Kunst schafft.
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