
Die DROPKICK MURPHYS sind lebende Legende. Szene-Galionsfigur. Eine Folkpunk-Institution. Und von einem ehemaligen Geheimtipp zu Riesen-Headlinern geworden, die spielend leicht Tausende zum Durchdrehen bringen. Das macht sie einerseits schon zu Lebzeiten unsterblich – ein bisschen so wie THE POGUES, die diesen herrlichen Mix aus Punk- und Folk-Vermischens ja einst erfanden. Aber es macht sie andererseits angesichts von bislang zwölf Alben irgendwie auch zu einer Band wie, sagen wir, MOTÖRHEAD. Einer Band also, die irgendwann einfach nur noch eine weitere neue Platte rausbringt. Und noch eine. Und noch eine. Und die kaufen die Leute dann und hören sie und freuen sich kurz und vergessen sie auch schon wieder und warten auf die nächste Platte, die dann wieder genauso klingt: Schnell, hart, Stromgitarre, Dudelsack – und ab und an eine nette Ballade, die bei Konzerten dann zum Bierholen genutzt wird (wenn es nicht schon ausverkauft ist, was bei dieser Band oft schon passiert). Aber dann: Überraschen die DROPKICK MURPHYS auf einmal doch. So richtig. Bringen nicht nur eine nette neue Platte raus, Nummer 13, die rechts rein-, kurz ins Tanzbein und dann links wieder rausgeht. Sondern die aufhorchen lässt und hängenbleibt. Denn: „For The People“ ist wieder punkiger und rauher als die letzten Alben. Hat mit „Who’ll stand with us“, „Longshot“, dem reinen Streetpunk-Ausflug „Kids games“ oder „The vultures circle high“ (mit dem seit geraumer Zeit ob persönlicher Gründe nur sporadisch am Mikro agierenden Al Barr) amtliche Top-Hits am Start. Sie wandeln mit „Bury the bones“ und „Sooner kill’em first“ hier auch ganz deutlich auf den Spuren Shane MacGowans und seiner Jungs. Vor allem aber ist es ein politisches Album. Aus den USA. Und das ist bemerkenswert. Wurde gerade der Punkrock-Markt nach der ersten Wahl Donald Trumps zum Präsidenten 2016 nämlich noch geflutet mit Songs und ganzen Alben, in denen politisch geätzt und gezetert und draufgehauen wurde, ist es dieses Mal eher still und das Interesse konzentriert sich auf ein paar Sprüche von GREEN DAY und Bruce Springsteen. Bis jetzt zumindest. Bis zu „For The People“, das als Manifest des Aufstands und Mutmachens gegen Trump und seine Entourage und alle anderen Irren daherkommt und folkpunkig rumkotzt, dass es eine wahre Freude ist. Songs wie „Fiending for the lies“, „School days over“ mit dem Vorzeigepolitmusiker Billy Bragg oder das erwähnte „Who’ll stand with us“ als rasender Opener zeigen, dass genug Wut da ist. Immer noch. Wieder. Und nicht versiegend, solange sich nichts ändert. Die DROPKICK MURPHYS sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort: in den Staaten als Auge des Sturms. Und am Mikro, um ordentlich abzuledern. Das hört sich nicht nur verdammt gut und ganz und gar nicht egal und wie immer an. Das tut auch verdammt gut und ist wichtig.
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