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LOVELY EGGS

I Am Moron

Das Glaubensbekenntnis der beiden Eier findet sich auf der Website: „This is our band. We do exactly what we like. That’s how it goes when you have your own band. Some of our songs are ten seconds long.

Some are four minutes. We don’t care. Because it doesn’t matter. We have a lot of different sounding songs. Welcome to our world.“ Und die sieht ganz schön knallbunt, kaputt und abgespacet aus, wenn man sich dafür am Plattencover orientiert.

2007 veröffentlichten die LOVELY EGGS ihre erste EP, unzählige Kleinformate sind seitdem erschienen, zunächst noch auf „Fremdlabels“, in den letzten Jahren aber nur noch Egg, der eigenen Plattform.

Ein Mann-Frau-Duo sind die LOVELY EGGS, bestehend aus Holly Ross (gt, voc) und David Blackwell (dr, voc), und ja, die beiden sind auch hinter der Bühne liiert – ich glaube, das hilft enorm: kann man sich in einem Trio oder Quartett noch irgendwie abgrenzen, ist ein Duo schon das Maximale an Nähe, und ich glaube, das erträgt man auf Dauer nur, wenn man sich auch im restlichen Leben erträgt.

Erstaunlich finde ich, dass das Duo aus dem nordenglischen Lancaster hierzulande immer noch einen Geheimtipp-Status fristet. In UK hingegen sind sie zwar auch keine Superstars, aber ihnen wurde schon mit ihrem letzten Album „This Is Eggland“ (2018) eine Menge medialer Aufmerksamkeit zuteil.

Ob sich das hierzulande mit „I Am Moron“ freilich ändern wird, wage ich zu bezweifeln. Klar, mir gefällt dieser hyperaktive Mix aus Bubblegum-Pop, spaciger Psychedelic und einer Ladung New Wave, aber dieser Sound ist denkbar weit weg von allem, was man heute sonst so hört.

REZILLOS treffen hier auf EPOXIES, HAWKWIND auf ALIEN SEX FIEND, BIKINI KILL auf FUZZBOX, bratige Gitarren (Big Muff heißt das Pedal dazu) auf simplen Schlagzeugwumms (mal echt, mal Dose?), Synthie-Gezirpe auf mal hypermelodiöse, mal angestrengt-appellative „female vocals“ mit etwas Hintergrundgesang.

Jeder Song ist anders, und müsste ich die Band in Farben beschreiben, wären diese Neongrün, Neonorange und Neongelb. Von plastikliker Artifizialität sind die Songs freilich nicht, die Texte sozialkritisch und das ganze eben keine clowneske Krawallnummer (ok, auch), sondern schon, äh, seriöse Unterhaltung.

Was ich meine: man könnte die Eggs trotz ihrer langen Geschichte immer noch als Novelty-Band abtun, aber genau das sind sie nicht. Dazu bleiben Nummern wie „This decision“ (die erste Single), „You’ve got the ball“, „24 eyes“, „Still second rate“ oder auch der betörende sechsminütige Rausschmeißer „New dawn“ viel zu gut und nachhaltig in Erinnerung.

Ach ja, der Albumtitel – schon bei NOFX’ „Moron brothers“ wusste keiner, was das sein soll: „a person with a mental age in adulthood of between 7 and 10“ – ein nach klinischen Maßstäben Schwachsinniger ...