
Zehn Jahre gibt es MANTAR aus Bremen schon. Mir kommt es immer noch so vor, als hätten die beiden gerade erst mit ihrer „St. Pauli Session“ alles infrage gestellt, was sich bis dahin zwischen Metal und Punk bewegt hat. Dieses Gekeife hat die beiden Genres verbunden, diese Kompromisslosigkeit, diese Ehrlichkeit und authentische Angepisstheit, dieses Unangepasste und gleichzeitig verspielt Erwachsene hat so unglaublichen Spaß gemacht, hat so viele Menschen abgeholt, dass das darauf folgende erste Album „Death By Burning“ bei vielen mittlerweile als Klassiker gilt. Inzwischen haben sich MANTAR den Arsch abgetourt und sich längst von der AZ-Band zu Headliner-Slots auf Festivals gemeckert. Daneben wollen Hanno und Erinc so ziemlich alle Zügel selbst in den Händen behalten. Das bringt mehr Kohle in die Bandkasse, aber auch Unmengen an Arbeit mit sich. Unter anderem das hat die Band mit ihrem letzten Album „Pain Is Forever And This Is The End“ fast in ihren Ruin getrieben (siehe Interview in Ox #162). Keiner der beiden hatte mehr so richtig Bock auf die Band und das ganze Drumherum, was so dazugehört. 2024 haben sich die Dinge gedreht: Hanno und Erinc haben sich gesagt, so etwas darf ihnen nicht mehr passieren. Also sind sie ins Studio gegangen und haben das getan, was sie eigentlich am liebsten machen: Auf die Kacke hauen. Angefangen hat es mit einem Videodreh, eskaliert ist es in einer Punk-Cover-Session und am Ende gab es zwölf brandneue Songs. Man hört der Band an, dass sie ihre Spielfreude wiedergefunden hat, dass die Stücke auch live funktionieren und nicht wie bei „Pain Is Forever ...“ mit zu feiner Nadel gestrickt und produziert wurden. „Post Apocalyptic Depression“ hat die Kompromisslosigkeit des Debüts „Death By Burning“ und die Energie von „Ode To The Flame“, die Wut der „Modern Art Of ...“ und die Punk-Attitüde von „Grungetown Hooligans II“. Das Cover wurde wieder von Aron Wiesenfeld gestaltet und erinnert stilistisch auch stark an das Debüt. Selbst einen deutschsprachigen Part gibt es wieder: Nach „Death über alles“ oder „Jeden Tag versagen wir ein weiteres Mal“ hat die Nummer „Halsgericht“ sogar eine halbe Strophe auf Deutsch verpasst bekommen und glänzt als Ohrwurm des Albums. Als Dank dafür wurde das Video von YouTube gedrosselt, weil es – ganz MANTAR-Style – einen Galgen zu sehen gab. Ach, und auch die Punk-Cover-Session hat es aufs neue Album geschafft: Auf einer Bonus-7“ sind „Mr. Suit“ von WIRE und „Slit your own throat“ von GBH zu hören. Mit „Post Apocalyptic Depression“ können MANTAR all jene Fans beruhigen, denen das Vorgängeralbum zu technisch war. „Post Apocalyptic Depression“ ist endlich wieder ein MANTAR-Album für die Axt-Arbeit!
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