
TERRORGRUPPE aus Berlin Kreuzberg ist Punkrock von der Meta-Ebene, wie unsereins mit seinem studentischen Vokabular sagen würde. Deutschpunk wird hier nicht auf Nietenlederjacken/ Alkoholkoma-Niveau zelebriert, sondern herrlich selbstironisch und sarkastisch. Spontanität und planvolle Provokation ergänzen sich vorzüglich, und weder Interviewer noch Leser können sich sicher sein, bei welcher Frage Jacho alias Johnny Bottrop und Archie „MC Motherfucker" nun ernst waren, und bei welcher sie mal wieder hochprozentigen Blödsinn abgesondert haben. Die beim Interview im Kreuzberger Destiny-Büro nicht anwesenden Terroristen waren Hermann v. Hinten sowie Fritz, der Nachfolger von Ice-Tüte. Mittlerweile ist Ex-PLAN B-Fritz aber auch schon wieder nicht mehr dabei (Streit zwischen ihm und Jacho über Fußball...) und wurde umgehend durch Gecko von den TESTERS ersetzt.
„Terrorgruppe" ist ein denkbar simpler und trotzdem unglaublich genialer Name für eine Band.
Jacho: Das fing damit an, dass wir alle gelangweilt in Archies Zimmer rumsaßen und in den Wochen vorher jede Menge seltsamer Sachen passiert waren: Überall hingen Bullen rum, Kneipen wurden dichtgemacht, Konzerte verboten, die Stromrechnung war plötzlich ungewöhnlich hoch ausgefallen und wir wurden auch noch alle beim Schwatzfahren erwischt...
Archie: ...und ich hatte dann plötzlich die zündende Idee: „Lass uns doch einfach das System kaputtmachen!“
Jacho: Und so war die TERRORGRUPPE geboren.
Archie: Den Namen selbst haben wir beim Spazierengehen im Treptower Park erfunden, als wir am Stalin-Denkmal vorbeikamen. Ich muss aber dazusagen, dass wir alles andere als Kommunisten sind.
Jacho: Unser Schlagzeuger hatte die fixe Idee, sich irgendwo ne Stinger-Rakete zu besorgen, um den Bobbel vom Fernsehturm am Alexanderplatz wegzuballern. Wir hatten damals auch die Idee, ein Attentat auf den Sohn vom damaligen Bundesverkehrsminister Krause zu verüben. Das war nämlich der einzige sechzehnjährige Bundesbürger, der einen Führerschein hatte und zudem noch einen dicken Pontiac oder sowas besaß. Wir hatten vor, den in so ner Art Selbstmordkommando auf unser Auto auffahren zu lassen, während wir ein paar Autos dahinter jede Menge Presseleute angekarrt hätten. Das wäre sicher interessant geworden, wenn die plötzlich danach gefragt hätten, wieso ein Sechzenhjähriger schon den Führerschein hat. Letztendlich war uns das alles aber zu heikel, denn wenn man ne Terroraktion plant, darf man sich nicht mehr in der Kneipe betrinken, weil man sonst am Ende alles ausplaudert - die V-Leute und Spitzel sitzen ja überall. Deshalb entschlossen wir uns, mit unserer Terrorgruppe Musik zu machen, was wir vorher ja eh schon immer gemacht haben. Unser Schlagzeuger ja nicht, denn der war zu dem Zeitpunkt noch gar keiner, den mussten wir erst einarbeiten.
Archie: Genau, der war zuerst nur ein guter Freünd, der die Idee hatte, diesen Bobbel wegzuschießen. Hermann von Hinten - der heißt so, weil er immer hinten sitzt. Jacho: Ja, wir hatten einfach zu viel Schiss, wegen so nem Attentat in die Kiste zu wandern. Musik war da ne gute Alternative. Erstens ist das doch irgendwie angenehmer, und zweitens kann man sich dabei ja auch selbst verwirklichen.
Seid ihr denn „ Die Terrorgruppe" oder einfach nur „ Terrorgruppe“?
Archie: Nein, einfach nur TERRORGRUPPE. Es gibt einfach schon zu viele Bands mit bestimmtem Artikel: DIE ÄRZTE, DIE TOTEN HOSEN, und was weiß ich, wer noch alles. Und die Amis und Engländer haben sowieso überall ein „The" davor. TERRORGRUPPE soll einfach so für sich stehen.
Wann fanden all diese für die Konstituierung der Gruppe so wichtigen Ereignisse und Gespräche statt?
Jacho: Vorletzten Winter. Ich hatte dann ja noch Auseinandersetzungen mit unserem Schlagzeuger, der natürlich nicht so einfach von seinen Anschlagsplänen lassen wollte. Ich hab' zu ihm gesagt, er soll den Quatsch lassen, denn als Terrorist muss man alles konspirativ und geheim machen, während du als Rockmusiker jeden Scheiß erzählen kannst, dir glaubt ja sowieso keiner.
Archie: Außerdem kann man das pressetechnisch immer sehr gut zum Skandal verarbeiten, wenn jemand als Rockmusiker irgendeine Scheiße macht. Als richtiger Terrorist wird man höchstens irgendwo auf nem kleinen Bahnhof erschossen.
Archie, du hattest mir zu der Zeit mal erzählt, ihr wolltet eine Band gründen, die richtig klischeehaften Deutschpunk macht.
Archie: Das war damals die Idee, ja.
Andere Leute sind aber einfach Punkrocker und gründen 'ne Band, ohne sich vorher ein Konzept zu überlegen.
Jacho: Das Ding ist, dass wir alle vor zwölf Jahren oder so Deutschpunks waren - mehr oder weniger. Wir haben alles mitgekriegt, die ersten Punktreffs, jede Menge Konzerte, und auch den ganzen Stumpfsinn, der damals abging. Schon aus dem Grund können wir das Thema nicht nostalgisch, sondern nur von der heiteren, selbstironischen Seite angehen. Aber nach wie vor ist Punkrock unser Ding. Das siehst du ja schon daran, wie wir hier arbeiten, wie unser Büro aussieht, hahaha. Der Name TERRORGRUPPE an sich ist ja auch schon ein hammermäßiges Klischee.
Ihr liebt es, mit Klischees zu spielen.
Jacho: Auf jeden Fall. Einerseits lachen wir über die ganzen Sachen, andererseits finde ich vieles am Deutschpunk viel relevanter als das, was unzählige amerikanische Bands machen. Und auch die ganzen nachdenklichen Texte, diese Emocore-Sache kommen nicht an die Aktualität von Texten ran, wie sie damals auf der „Soundtracks zum Untergang"-Compilation zu hören waren. Die waren ihrer Zeit zehn Jahre voraus, denke ich. Wir waren damals vierzehn bis sechzehn Jahre alt, Punks und „rebels without a cause" denn eigentlich ging es uns ja ganz gut. Auch das Land selbst war nicht so schlimm, wie es heute ist. Und wir Kiddies haben dann fleißig rumgerebellt, Bands gegründet, Konzerte veranstaltet, Fanzines gemacht. Heute sind die Kids angepasster, machen viel weniger von sich aus, obwohl heute viel mehr Gründe für ein entsprechendes Verhalten vorhanden wären.
Archie: Ja, heute gibt es tausend Gründe, mal richtig auf die Kacke zu hauen.
Jacho: Trotzdem sind die Leute und die Bands viel braver, als wir es früher waren. Viele Texte, die damals gemacht wurden, sind aber heute einfach nicht mehr möglich, so Sachen wie „Disco in Dachau" oder das, was MIDDLECLASS FANTASIES machten.
Archie: Das Problem ist, dass sich über die Jahre zu viele Hippies in die Punkszene eingeschlichen haben, die ständig rumpolitisieren und Politik machen wollen. Die wollen den Leuten erzählen, was links ist und wie man sich zu verhalten hat, während der Grundgedanke von Punk eigentlich immer war, auf die Kacke zu hauen und das zu tun, worauf man gerade Bock hat - dabei aber die anderen solange zu tolerieren, wie die einem nicht gerade die Wohnung ausräumen.
Das mit dem „Auf-die-Kacke-hauen" hat ja auch bei den Hannoveraner Chaostagen niemand kapiert. Alle haben sich gefragt, warum die Leute randaliert haben, dabei gab es außer „Auf-die-Kacke-hauen" keinen anderen Grund.
Archie: „Ja, es gibt auch so was wie „Protestrandale". Man muss nicht immer unbedingt ne Demo machen, die vorschriftsmäßig anmelden und Flyer verteilen, auf denen erklärt wird, was damit gemeint ist. Man kann auch einfach nur rumrandalieren, um Spaß zu haben…
Jacho: ....und um Grenzen abzustecken, zu zeigen „so sind wir drauf und ihr anderen könnt uns mal am Arsch lecken."
Du meinst, um Befürchtungen, dass die Spießer sich danach in ihren Vorurteilen gegenüber Punks mal wieder bestätigt sehen, sollte man sich einfach nicht kümmern?
Jacho: Genau. Wenn die denken, alle Punks seien böse Randalierer, dann stört das doch nicht. Die Punks sind eben nicht die Leute, die gegen Atomkraftwerke und für dies oder das demonstrieren. Ich hatte früher riesengroß auf meiner Lederjacke stehen „Ich will Atomkrieg". Wir sind nicht Menschenfreunde und Weltverbesserer. Punkrock ist einfach ne spezielle Art von bösem Spaß. Gerade in Deutschland war Punk in dieser Hinsicht so 80, 81 am spaßigsten überhaupt- viel lustiger, als das in England jemals gewesen ist. In Amerika dagegen waren die Leute noch ein bisschen phantasievoller, so Anfang der Achtziger in San Francisco. Slogans wie Help the police - beat yourself up!" oder die Bürgermeisterkandidatur von Jello Biafra.
Würdest du denn sagen, dass in diese Ecke auch so Bands wie BECK'S PISTOLS oder LOKALMATADORE gehören?
Jacho: Nein, das ist schon wieder was anderes. Die glorifizieren viel mehr ihr Prollsein und Saufen, sind sehr dem Ruhrpott verbunden.
Aber die ganzen neuen Deutschpunk-Bands, wie sie auf den Compilations von AM-Music oder Impact Records vertreten sind, erfüllen eure Bedingungen doch auch nicht, oder? Da ist von dieser Ironie, von diesem Sarkasmus nicht viel zu spüren.
Jacho: Das ist eben die zweite oder dritte Generation von Bands bzw. die, die von der zweiten oder dritten Generation nichts gelernt haben, die nur abgekupfert haben. Für mich ist Punkrock solche Bands wie ZK, KFC und diese Ecke mit Sprüchen wie „Jung kaputt spart Altersheim" bis „Wir wollen Atomkrieg" oder „Für nukleare Totalsanierung".
Archie: „Das ist schwarzer Humor vom feinsten. Man muß ja nicht viel wissen, um zu erkennen, dass die Welt zu 90 Prozent kaputt und Scheiße ist. Das alles reparieren zu wollen und deshalb als Musiker einen superpolitischen Anspruch an sich zu stellen, das bringt doch nichts. Jeder hat seine Einstellung zu den Vorgängen in der Welt, macht sich Gedanken dazu und redet mit Freunden am Stammtisch darüber, aber ich sehe nicht ein, warum ich deshalb Lösungen für die Probleme in meine Musik einbringen soll. Ich mache mich lieber darüber lustig, wie bescheuert die Leute sind. Und manchmal muss ich mich auch über mich selbst lustig machen, weil ich auch nur ein Mensch und genauso bescheuert bin.
Aber wie glaubhaft sind denn Leute wie ihr, die Anfang der Achtziger Punk wurden, die Szene damals erlebt haben und heute den Jüngeren einen erzählen ? Für Siebzehn- oder Achtzehnjährige, die heute mit Iro und Nietenjacke rumlaufen, seid ihr doch alte Leute.
Jacho: Wir erzählen denen ja nichts, wir machen ihnen nichts vor.
Trotzdem wart ihr damals so alt wie die Leute in den Bands, deren unverkrampfte Texte ihr gut fandet. Heute dagegen macht ihr eure Texte auf der Basis eures Hintergrundwissens, also nicht unverkrampft, sondern planvoll.
Archie: Du hast recht, wir wissen, wie man solche Texte macht, weil wir es gelernt haben. Aber ich sehe ja bei den Konzerten, wie die Kids, die viel jünger sind, das aufnehmen und verstehen, worauf wir hinauswollen. Die kommen zwar nicht gerade an, um mit uns über die Texte zu diskutieren, sondern wollen Party machen und finden unseren Humor gut. Wenn sie dann noch ne kleine Message mitbekommen und den Witz verstehen, dann ist das voll o.k. Die Punkrock-Kids, die zu unseren Konzerten kommen, sind wirklich voll auf unserer Wellenlänge.
Jacho: Derzeit gibt's auch wieder jede Menge neuer kleiner A5-Fanzines, die genau diesen Spaß vermitteln. Das muss ja nicht alles in blöden Funpunk ausarten.
Oder findest du, die TERRORGRUPPE ist Funpunk?
Nee, sicher nicht. Funpunk war für mich immer so schlecht wie heute „ Gaudimax" im Fernsehen.
Archie: Das ist Bierhumor, und ich mag keinen deutschen Bierernst, und erst recht keinen Bierhumor. Das ist langweilig. Ich haue jedem auf's Maul, der mir 'nen Ostfriesenwitz erzählt.
Und was ist mit Blondinenwitzen?
Archie: Die sind teilweise gut, aber da geht's auch nicht um Spaß, sondern um blutigen Ernst, hahaha!
Lasst uns mal eure musikalische Vergangenheit aufarbeiten. Archie, du warst früher mal bei den legendären INFERNO.
Archie: Dabin ich 1986 ausgestiegen, als ich schon in Berlin wohnte, aber immer noch irgendwie da mitspielte. Ich hatte dann mal GANG GREEN gesehen, deren Gitarrist vom vielen Hardcorespielen nervöse Zukkungen bekommen hatte, und dachte mir, dass ich so nicht enden will. Also habe ich INFERNO bleibenlassen, wobei das sowieso schwierig war - die in Augsburg, ich in Berlin. Außerdem machte es mir auch keinen so richtigen Spaß mehr. Dann spielte ich ne Weile bei VELOCET, die sich selbst „Kings Of Speedcore" genannt haben, und danach bei einer anderen metallisierten Hardcoreband namens NICK-A-NUKE, aber das ging auch nicht lange. Die meisten Bands scheiterten zu der Zeit an Drogenproblemen. Mit David Pollack versuchten wir dann unter dem Namen HAPPYHOUR noch weiter zu unseren Roots zurückzugehen und etwas Rock'n'Roll in den Punk reinzubringen. Für unsere Verhältnisse ging das auch sehr lange gut: vier Jahre! Da spielte ich auch schon mit Jacho zusammen, und nach dem Ende von HAPPY HOUR ging es dann mit TERRORGRUPPE weiter.
Jacho: Ich war noch ziemlich jung, erst sechzehn, als wir H.O.A. gründeten, die „Hostages Of Ayatollah". Wir bekamen dann im Laufe der Zeit so nen intellektuellen Touch und unser Drummer schleppte ständig irgendwelche SST-Platten an. Eine Weile lang fand ich das auch ziemlich gut, bis die dann in einem Jahr zweihundert Platten oder so veröffentlicht haben und ich nicht mehr mitkam. Das war nur noch belangloses Geklimper für mich. Ich zog dann nach Berlin, spielte ne Weile bei HAPPY HOUR und versuchte schon zu der Zeit, eine Band mit deutschen Texten zu starten. Aber irgendwie klappte das alles nicht, bis schließlich die Idee mit der TERRORGRUPPE geboren wurde.
Wie kam 's zu dem Spitznamen Johnny Bottrop?
Archie: Den hat er noch aus HAPPY HOUR-Zeiten, hehe.
Dabei kommst du doch gar nicht aus Bottrop, oder?
Jacho: Gott bewahre! Nee, ich bin aus Velbert.
Eure erste 7" hat neulich erst jemand wiederveröffentlicht, wenn ich mich recht erinnere.
Jacho: Naja, das ist auch schon wieder zwei Jahre her. Das war Zündi auf Bonzen Records. Aber um auf's Thema zurückzukommen: Wir gehen mit TERRORGRUPPE tatsächlich musikalisch wieder dahin zurück, wo wir angefangen haben. Nur können wir jetzt wesentlich besser spielen, und haben außerdem einfach etwas Abstand zu der ganzen Sache gewonnen. Deshalb würde ich das, was wir machen, auch als „Punkrock mit nem Augenzwinkern" bezeichnen.
Mit INFERNO und H.O.A. gehörtet ihr zwischendurch mal zur „ Elite" der deutschen HC-Bands.
Jacho: So '83 hatten wir die Schnauze voll von diesen Super-Siff-Pattex-Punks, und außerdem gab's zu der Zeit auch jede Menge übler, richtig fieser Skins. Da kam uns der ganze Ami-Hardcore-Kram ganz gelegen, denn damals war das noch super phantasievoll. Da klang keine Band wie die andere, und das hat uns stark beeinflusst. Im ZAP stand neulich, H.O.A. seien die erste deutsche Hardcore-Legende gewesen. Naja...
Archie: Hardcore war für mich damals einfach 'ne härtere Form von Punkrock. Musikalisch bedeutete das für INFERNO, zu versuchen, schneller zu sein als DISCHARGE. Der amerikanische Einfluss kam erst wesentlich später und wurde uns eigentlich eher von anderen aufgedrückt, weil die USHardcoreszene ziemlich auf INFERNO abgefahren ist. Dass wir selbst dann auf US-Hardcore abgefahren sind, kam erst zwei Jahre später. Hardcore stand für uns in erster Linie für einen bestimmten Musikstil, denn unsere Grundeinstellung war Punk.
Was für Leute kommen denn zu euren Konzerten? Siff-Punks?
Jacho: Nee, die Kids sind heute nicht mehr so drauf. Die trinken sich zwar einen, sind aber irgendwie ganz anders.
Archie: Wir hatten hier in Berlin, wo genau so ein Volk kam, und die haben wir dann als unsere Zielgruppe beschimpft. Nein, das Publikum hat sich schwer geändert in den letzten Jahren. Wenn ich mit Leuten, die auf uns stehen, vor oder nach dem Konzert rede, dann stellt sich heraus, dass das entweder Leute in unserem Alter sind, die den gleichen musikalischen Hintergrund haben wie wir und sich freuen, mal wieder so was zu hören, oder es sind die ganz jungen Leute, so zwischen 15 und 20, die echt Energie haben und sich null hängen lassen.
Von wem stammt denn das geniale Logo mit dem stilisierten Galgen?
Jacho: Das ist von Risa, einem Freund von mir, der was mit der KPD/ RZ zu tun hat. KPD/RZ steht für „Kreuzberger Patriotische Demokraten/Realistisches Zentrum“.
Archie: Das ist unsere Kultpartei hier. Der hatte mit diesem Motiv schon T-Shirts machen lassen, und wir fanden das so gut, wir mussten das einfach als Bandlogo haben. Er hat es uns dann freundlicherweise vermacht.
Habt ihr denn wegen dem Untertitel „Dem Deutschen Volke" schon Ärger bekommen?
Jacho: Nee, und das wundert uns auch ein bisschen. Anfangs sind unsere Aufkleber mit dem Motiv hier in Kreuzberg abgerissen worden, weil die wohl irgendjemand missverstanden hat. Aber mittlerweile passiert das auch nicht mehr.
Archie: Wir sind einfach schon jenseits von Gut und Böse, was uns auch ganz gut gefällt. Anfangs gab es ja so Vorwürfe wegen angeblichem Sexismus, mangelnder Korrektheit und wegen des Aufklebers sogar Faschismusverdächtigungen. Aber mittlerweile können wir tun und lassen was wir wollen und werden von niemandem mehr angegriffen. Das ist schon wieder langweilig.
Eure Provokationen gehen also ins Leere.
Archie: Nein, nicht mal. Die Kids unterhalten sich untereinander über uns. So ne Antifa-Gruppe von hier hat sich schon in die Haare gekriegt wegen uns: Die einen halten uns für sexistische Schweine, die anderen fahren auf uns ab. Dazu machen die dann immer Plenum, haben sie uns erzählt, hehehe. Derbe angegriffen wie etwa die Kölner Politclowns „Heiter bis wolkig" werden wir nicht. Wir stehen eben auch 100% zu dem, was wir machen, und die Leute wissen genau, dass sie uns mit ihren Angriffen nicht beeindrucken können.
Jacho: Mit ihren unqualifizierten Angriffen machen die uns auch nur noch berühmter. Wir schlachten solche Aktionen nämlich sofort hemmungslos zu unserem Vorteil aus.
Bisher gab 's von euch drei Singles. Was ist noch zu erwarten?
Archie: Im Januar kommt die vierte 7", und ein Album ist für s Frühjahr geplant. Wir werden wohl im Dezember ins Studio gehen. Mit dem Label überlegen wir noch. Ach ja, demnächst gibt's ne Split-7" mit STROMSPERRE. Wir spielen einen Song von denen nach, und die haben „Die Gesellschaft ist schuld" von uns aufgenommen.
Verfolgt ihr mit euren Singles eigentlich irgendein Konzept?
Jacho: Ja! Die erste Single hatte das Konzept „Armes Deutschland", die zweite „Arbeit", die dritte „Liebe und Beziehungsstress", die vierte ist ne Split-Single, die natürlich nicht, die ist einfach nur so...
Archie: Doch, die hat das Thema „Bandfreundschaft“.
Jacho: Die fünfte wird natürlich auch wieder ein Thema haben, wir wissen bloß noch nicht, welches.
So ein Titel wie „Die Gesellschaft ist schuld, dass ich so bin" ist unglaublich genial.
Archie: Das ist eine Verarschung auf die ganzen Sozialarbeiter und Soziologen, hehe, „Rock gegen Sozialarbeiter", und gegen Leute, die deren Sprüchen auf den Leim gehen und wirklich glauben, die Gesellschaft sei schuld, dass sie so bescheuert sind. Ich weiß.aber nicht, ob die Leute auf den Konzerten wirklich kapieren, was damit gemeint ist, denn da schreien immer welche „Yeah, die Gesellschaft ist schuld!". Naja, jedenfalls kommt der Song gut an.
Jacho: Ich denke aber schon, dass die meisten unsere Witze verstehen, auch die Kids. In einem Fanzine habe ich mal die Vermutung gelesen, die SPD würde unsere Texte wohl als menschenverachtend bezeichnen, und das trifft unseren Humor und daraus entstehende Missverständnisse ganz gut. Das gefällt uns!
Ihr jobbt beide für Destiny und lebt davon, oder?
Archie: Zum größten Teil, ja. Das ist ne ganz vernünftige Arbeit. Außerdem ist es ganz praktisch, als Band bei ner Touragentur zu arbeiten. Trotzdem laufen die meisten Konzerte unabhängig von Destiny.
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