
Es gibt Menschen, die lesen das Ox schon so lange, wie es das Heft gibt, also seit 1989. In dieser Serie werden einige davon vorgestellt. Diesmal: Burg aus einem Städtchen irgendwo zwischen Würzburg und Nürnberg.
Bitte stell dich vor.
Ich bin Burg. Rechnerisches Alter 45, auch wenn böse Zungen behaupten, dass mein Niveau dem eines Zwanzigjährigen entspricht. Lebe aktuell, zu meinem eigenen Entsetzen, seit sieben Jahren im Kreis Neustadt-Aisch/NEA. Geboren und sozialisiert im Ruhrpott. Bin gelernter Bilanzbuchhalter und beruflich als Gastronom selbständig.
Kannst du dich noch erinnern, seit wann du das Ox liest und wo du es damals gekauft hast?
Seinen Anfang nahm der Konsum irgendwann grob zwischen 1995 und 2005, als ich nebenbei in dem „letzten alternativen Plattenladen vor der mp3-Autobahn“ gejobbt habe. Da lagen mehrere Fanzines aus, die alle zur Pflichtlektüre gehörten. Zum einen wollten wir wissen, was in den Regalen stehen sollte, und dann brauchten wir auch noch Gesprächsstoff zu den Tonträgern, ohne selbst groß recherchieren zu müssen. Nehmen wir als Beispiel, da kommt jemand und möchte irgendetwas wie CHAOS Z, da musste wie aus der Pistole geschossen kommen: „Hör dir doch mal FLIEHENDE STÜRME an!“ Alles so Infos, die man nur mühselig selbst zusammentragen konnte und die ein Fanzine ganz gut zusammenfasst. Man bedenke, dass das Internet da noch in den Kinderschuhen steckte.
Was waren damals deine drei bis fünf Lieblingsbands, welche sind es heute?
Die Einschränkung, hier nur drei bis fünf Bands von damals zu nennen, ist schon enorm. Aber das ist euch sicher bewusst, ihr Halunken! Bei den damaligen Bands beschränke ich mich jetzt einfach auf die Genres, die das Ox auch bedient: BAD RELIGION, SLIME, NO USE FOR A NAME, POPPERKLOPPER und PENNYWISE. Was heute angeht ... puh! Von meinen alten Favoriten sind nur BAD RELIGION und POPPERKLOPPER geblieben. Ansonsten freue ich mich immer wieder über die Veröffentlichungen so vieler Bands. Leider sind die Zeiten vorbei, wo ich gierend in den Plattenladen gerannt bin und mir spezielle Alben kaufte.
Was denkst du, warum bist du dieser Punk/Hardcore-Jugendkultur bis jetzt treu geblieben? Was bedeutet sie dir heute?
Auch wenn sich in den letzten Jahrzehnten einiges geändert hat, bei dem ich nicht immer mitgehen kann, halte ich mich immer noch an ein paar der Punkte fest, die so wohl damals wie heute Gewicht haben. DIY, Protest, Nonkonformität, Antikapitalismus und mindestens eine Spur Anarchie. Oh, und nicht die berüchtigte „Unvernunft“ vergessen. Denn Punk ist, wenn man es trotzdem macht. Ist irgendwie schon gruselig, wenn man Punk mit gewissen Werten verknüpft, oder?
Betreibst du noch irgendwelche „Szene-Aktivitäten“ wie Blog, Label, Fanzine, Konzertveranstalten, etc.?
Im Frühling 2022 hatte ich die Schnapsidee, einen Podcast zu gründen. Wie immer der Zeit hinterher, da der Hype da schon vorbei war. Corona und so. Egal. Machen! Am 02.07.2022 erschien dann die erste Interview-Folge, zu der Zeit noch im Audioformat, mit POPPERKLOPPER. Es folgen ungefähr 17 weitere, bis ich den „RandaleFUNK“ auf Video umstellte und zu den wöchentlichen Interviews auch noch ein wöchentliches News-Format kam. Verdammt. Zu diesem Zeitpunkt sind es fast achtzig Interviews. Wie immer: höchst unprofessionell, unkommerziell und unkonventionell.
Bitte gib uns eine schmeichelhafte Antwort auf die Frage, was dir fehlen würde, wenn es das Ox nicht mehr gäbe.
Nichts. Denn ihr habt den Sprung in die digitale Welt bereits gewagt. Nicht nur durch eure Onlinepräsenz, sondern auch durch den Ox-Podcast. Und wenn das Ox nicht mehr haptisch zu erhalten ist, wird es euch sicher im Videoformat geben. Ihr seid also nicht weg, nur woanders und ich werde euch stalken!
Was liest du als Erstes im Ox, was eher selten?
Ich habe mir bei Fanzines angewöhnt, erst einmal grob durchzublättern und mir Seiten zu markieren, um die ich mich intensiver kümmern möchte. Überblättert werden Artikel zu Bands, an denen ich kein Interesse habe. Mit den Kolumnen versuche ich mich immer mal wieder auseinanderzusetzen. Sind mir aber häufig zu intellekelel ... oder wie schreibt man das? Die berühmten Eselsohren befinden sich am häufigsten bei Interview zu Bands die ich noch nicht kenne, oder bei denen, die ich persönlich feiere. Die Reviews bleiben jedoch am längsten aufgeschlagen. Nicht weil ich einen Pfennig auf eure Meinung gebe, mir geht es um den Blickwinkel von anderen Leuten. Zwinkersmiley.
Das Ox hat sich im Laufe der Jahre musikalisch geöffnet, jedoch ist der Fokus auf Punk und Hardcore geblieben. Wie ist es mit deinem Musikgeschmack?
Da ich in einem Alternative-Disco/Live-Club quasi aufgewachsen bin, gab es die volle Dröhnung von verschiedenen Subkulturen. Da war alles Spannende dabei wie Punk, Oi!, Folk, Metal, Gothic, New Wave, und so ist es bis heute – mit kleinen Abstrichen. Aus jeder Subkultur sind ein paar Bands hängengeblieben, die sich gerne immer noch auf dem Abspielgerät befinden. Mein Fokus, den ich irgendwie nicht wegbekomme, liegt einfach immer noch beim Punk, in all seinen Facetten. Und auch wenn Hardcore nie wirklich eine Rolle bei mir spielte, muss ich gestehen, dass sich das in den letzten Monaten stark geändert hat. Ich hole da gerade einige Klassiker wie STRIFE nach und höre immer häufiger auch Aktuelleres wie etwa SNAKES IN THE PIT und KNOCKED LOOSE. Wichtig ist mir einfach die Mittelfingerattitüde.
Gibt es ein besonderes Erlebnis, das du mit dem Ox verbindest?
Oh ja! Und für diese Antwort musste ich ein wenig in eurem Online-Archiv recherchieren. Yeah! Gleich mal Werbung für das Archiv gemacht. Werbung kann ich, hust ... Im Ox #22 gab es ein Review zum MILLENCOLLIN-Album „Life On A Plate“. Zitat: „Grandioses Entertainment für die Kids und nur aus diesem Blickwinkel kann man eine Band wie MILLENCOLIN in der Punk-Szene überhaupt legitimieren: Immer noch besser als der ganze Crossover-Scheiß.“ Das Vorgängeralbum „Tiny Tunes“, was nach einem Rechtsstreit in „Same Old Tunes“ umbenannt werden musste, war für mich damals der Inbegriff von Skatepunk und grenzenlose Freiheit, während man andere Menschen belästigt, mit dem Skateboard durchs Bonzenviertel. Dann kommt ihr und haut so ein Review raus. Das war damals entsetzlich und so wurde die Ausgabe #22 dem Feuer übergeben, gefolgt von der Absicht, nie wieder ein Ox zu lesen. Spoiler: Hat nicht geklappt. Also das mit dem Nicht-Lesen. Das mit dem Feuer schon.
Was findest du gut am Ox?
Dass die Reviews – noch – nicht so klingen, als hätte sie eine KI verfasst.
... und was sollten wir endlich mal ändern – abgesehen von der kleinen Schrift?
Lasst die Reviews einfach von einer KI verfassen. Nein, quatsch. Veröffentlicht eure Reviews und Interviews einfach im Videoformat auf dem „RandaleFUNK“. Is’ doch nicht so schwer, oder?
Und was wolltest du uns schon immer mal sagen?
Eigentlich wollte ich euch noch nie „immer schon mal was sagen“. Habe mir jedoch extra was einfallen lassen, damit dieser Abschnitt nicht zu kurz kommt. Leute, ihr macht einen geilen Job. Lasst euch nicht von außen verderben und Finger weg von MILLENCOLIN! Sonst landet mein Skateboard irgendwann auf der Motorhaube von eurem Porsche oder jeder anderen Luxuskarre, die ihr so fahrt. Hoffe, ihr fahrt keine Elektroroller. Da würde das sicher seltsam aussehen.
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