DIE STIMME DER VERNUNFT

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Stau, schau wem

282. Woche – Stau, schau wem
- Egaltourismus: Wann immer irgendwelche Touristen für ein Selfie in Krater oder von Bergen stürzen oder Menschen in billigen Sandalen einen 3.000er bezwingen wollen, denke ich reflexartig: Pass halt auf!
- Superheldentrio Infernale:
a. Zutraulichman: Tritt immer und stets dort auf, wo auf Festivitäten Alkohol ausgeschenkt wird.
b. Enthemmtgirl: dito.
c. Treffen Zutraulichman und Enthemmtgirl aufeinander, kann es bei ungünstigem Stand der Sterne durchaus zu Unehelich- oder Fehltrittkid kommen.
- Flashback: Man trifft auf öffentlichen Massenveranstaltungen immer die Typen, die man sich über Jahre sorgfältig aus seinem eigenen Bekanntenkreis herauskuratiert hat. Immer!

283. Woche – Resteessen
- All in: Viel schlimmer als nichts zu gewinnen, ist es, alles zu verlieren, weil man die Regeln nicht verstanden hat, nach denen der Gegner spielt.
- Ich sehe keine Single mehr: Bei dem Preis einer LP von 2018 braucht es heute schon sehr gute Argumente für die Veröffentlichung einer 7“. „Alles Killer, keine Füller“ wäre schon mal ein guter Anfang, ist in der Realität aber selten mehr als eine Absichtserklärung. Natürlich man kann auch eine 12“ machen und „Super-Sound-Maxi“ draufschreiben, ist nur einfach nicht dasselbe.

284. Woche – Frisch aus England
- Unduty Free: Mein neuer Zeitvertreib am Flughafen heißt „Der Preis ist heiß“. Ich erspähe Whisky für „nur noch“ 1.999 Euro (Bowmore, 31y, ehemals 2.699 Euro), erhöhe auf 29.999 Euro (Fettercairn, 50y), setze kurz auf 37.999 Euro (Singleton, 54y) und erreiche den Jackpot mit einem Hibiki (40y) für schlappe 46.999 Euro. Am Ende bleibt die Frage, ob man dann für die Plastiktüte noch 50 Cent extra zahlen muss oder ob die großzügigerweise im Preis inbegriffen ist, und wie man das angstfrei transportiert?
- Huddersfield: Am Zwischenstopp in Huddersfield meldet sich „Jordan, Minnesota“ von BIG BLACK aus dem Hinterkopf zu Wort.
- Sin Bin: Der wichtigste Platz beim professionellen Rugby ist der viel zu kleine „Klappstuhl of shame“, auf dem die Spieler und Spielerinnen ihre zehn Minuten Zeitstrafe absitzen müssen.
- Captain Cook Museum: Gutes Essen macht kein Land zu einer großen Seefahrernation, Scheißcuisine hingegen schon.
- I’m an architect: Gotische Bauten wurden erfunden, damit die Taubenscheiße besser haften bleibt, was die Gebäude stabiler macht.
- Beer Garden: Bedeutet in England ein Hinterhof mit Plastikblumen, manchmal mit Blick auf leere Stahlbierfässer oder Lagerräume mit Müll. Es bedeutet aber grundsätzlich nie das, was man hierzulande unter „Biergarten“ versteht.
- Handarbeit: Serienmörder sind die Handwerker unter den Diktatoren.

285. Woche – Vor den Bergen des Wahnsinns
- Spiel auf Zeit: Die Menschen, die immer und stets behaupten, dass es keine dummen Fragen gibt, sind dieselben, die bei komplexen Fragen sehr häufig hoffnungslos überfordert sind.
- Wer ordentlich Zwiebeln und Bohnen isst, wird Sturm ernten. (Bud Spencer, 1. Buch Hill, 2. Vers Terence)
- Krepel-Gen: Verzeihung, wurden Sie bei Familienfeiern öfter mal „vergessen“?
- Nachtwandler: Dank FB weiß ich genau, wer von euch unter seniler Bettflucht leidet.
- Moraleventualitäten: Möglicherweise ist das, was wir als falsch erachten, für manch andere der einzige Weg, um nicht depressiv zu werden.
- Maultaschenlehre: Schwaben, das vielleicht einzige Volk auf Erden, das ...
... selbst für einen fiesen Schlaganfall noch eine Verniedlichung in seiner Sprache verankert hat (Schlägle).
... für die Reinigung der Mülltonnen eine ganz spezielle Bürste entwickeln musste.
... dir mir einem handelsüblichen Kärcher aus zehn Metern Entfernung Essensreste zwischen den Zähnen entfernen kann.
... verbale sexuelle Avancen schon im Nachbarort als wüste Beschimpfung auffassen kann.
... einen Grundbesitz (Acker) sozial höher wertet als gute Manieren, attraktives Aussehen oder ein Mindestmaß an Intellekt.
... einer Städtepartnerschaft mit Entenhausen gewachsen wäre.

286. Woche – Selbe Zeit, selber Ort, aber dunkel!
- Getting old: Alt ist man offiziell, wenn man nur noch von Erinnerungen zehrt. Bei manchen ist das später, bei anderen setzt dieser geistige Zustand bereits mit Mitte 20 ein.
- Morgenkaffeehoffnung: Wir wachen jeden Morgen in der Hoffnung auf, dass einer der verhassten Despoten oder Oligarchen seinen ultimativen Besuch vom Schnitter bekommen hat, nur um im Erfolgsfall festzustellen, dass die Architekten dahinter immer noch dieselben sind.
- Muttertamagotchi 2025: Für alle, denen ein Elternteil verstorben ist, gibt es jetzt das Elterntamagotchi. Eine deutlich gepimpte Version des Zeitraubspielzeugs der 1980er. Das Ding kann selbstverständlich mit einem Bewegtbild in 4K gefüttert werden und dank KI auch die Originalstimme verblüffend echt imitieren. Im Repertoire hat es u.a.:
Vorwürfe, Vorwürfe, Vorwürfe.
„Nie rufst du an, oder besuchst mich.“
1x zum Geburtstag und zu Weihnachten!
„Deine alte arme Mutter/Dein alter armer Vater.“
„Wie du wieder aussiehst.“
Stundenlange Geburtswehen.
„Was ist nur aus dir geworden?“
„Du musst dringend zum Friseur.“
„Undank ist der Welten Lohn.“
Und endlos lange Geschichten über längst vergesse Verwandtschaft, von der niemand mehr lebt.
- Eau de Perfidie: Ich habe die Niedertracht eingeatmet, sie riecht nach alter Oma unter den Achseln.

287. Woche – Sieben Tage Seuche, gefühlt November
- Jammertallappen: Du meinst, du hast einen beschissenen Tag und dein Leben wäre mies? Es gibt Eintagsfliegen, deren einziger Tag auf Erden aus einem komplett verregneten Sauwettertag besteht, also jammer gefälligst nicht rum.
- Lebe nicht dein Leben, stirb deinen Traum! (Freddy Krueger)
- Nachsorge: Wie sähe die Entnazifizierung der ganz harten Stammwählerschaft nach einem AfD-Verbot wohl aus? Umerziehungslager? Internetverbot? Vasektomie? Holunderminen?
- Spocht: Einer Mannschaft bei einem „Arbeitssieg“ zusehen zu müssen, ist in etwa genauso spannend wie einen Maurer beim Hochziehen einer Wand zu beobachten oder einen Bäcker beim Teigkneten zuzujubeln.
- De.Klusion: Nur eine Randnotiz war das Ergebnis der Konrad-Adenauer-Stiftung, dass die Zähmung rechter Parteien durch Inklusion keineswegs funktioniert. Man könnte daraus seine Schlüsse ziehen, zumal die Stiftung aus den eigenen Reihen stammt und somit auch die Studie. Mal sehen, was das „Management“ daraus macht.

288. Woche: Gräulich (wenn’s nicht gerade regnet)
- Bierzeltschlechtelaune: Dereinst hat man sich stillschweigend auf eine Volksfest-Einheitskluft geeinigt, um sich anlassbezogen daneben zu benehmen. Ist ja auch praktisch, wenn es bei irgendeinem Vergehen eine Täterbeschreibung gibt, und alles, was man bekommt, ist: „mittelgroß, Lederhose und rot-weiß-kariertes Hemd“. Niemand mag diese Bierirrlichter wirklich. Ganz ehrlich? Die mögen sich ausgenüchtert, mit Kotzfleckenresten, selber im Spiegel auch nicht leiden.
- Amöbenmensch: Bei aller Liebe zu unseren Artgenossen, dürfen wir nie vergessen, dass es Mitmenschen gibt, die jeden Morgen ihr Teewasser anbrennen lassen würden, gäbe es am Wasserkocher keine Abschaltautomatik.
- Nichtmaldas: Die Ära Ronald Reagan hat uns trotz finsterer Jahre immerhin eine Unmenge an Haltung, rasend guter Musik und aufregender Kunst beschert. Ein Ventil für Zorn, Widerstand, das Aufbegehren gegen eine erzkonservative US-Administration, mitten im kältesten Krieg. Tango-Donny schafft nicht mal das.
- Nicht hetzen: Was sich lange wehrt, wird auch nicht gut.

289. Woche – Vollgestopft und vollgepropft
- Friedensorden: Was sagt es über einen Preis aus, wenn dafür schon so illustre Gestalten wie Joseph Stalin, Wladimir Putin und ein leidlich begabter Postkartenmaler aus Braunau am Inn vorgeschlagen wurden, die zu ihrer großen Enttäuschung allesamt nicht auf dem ersten Platz gelandet sind? Unter den tatsächlichen Gewinnern tummelt sich dann auch der eine oder andere Schulhofschläger. Wie wäre es stattdessen mit einem Oscar? Vielleicht für das beste Bühnenbild, Regie, Drehbuch Soundtrack, Maske oder den besten Hauptnebendarsteller? Wohl eher auch nicht.

290. Woche – Regen von gestern
- Einfach mal gönnen: Sag es nett, sag es mit einem freundlichen Unterton, sie werden es für ein Kompliment halten. „Ich glaube an die Wiedergeburt. Dir wünsche ich von ganzem Herzen, dass du als besonders langlebiger Naturbimsstein wiedergeboren wirst.“
Wichtig: Den Teil mit den Schweißmauken, dem Nagelpilz, der schlimmen Hornhaut, und dem hartnäckigen Fußpilz im Zielhaushalt unbedingt weglassen. Da Bims ausgespucktes Vulkangestein ist, braucht es eine Weile, bis sie den Teil mit dem Fegefeuer und der Hölle dazwischen verstehen, sofern es ihnen jemand erklärt. Die Wahrscheinlichkeit ist aber äußerst gering.
- Sag jetzt nichts: Warte einfach ab, bis sich jemand anderes zum Horst macht. (Alte Technikerweisheit)

291. Woche – Bonjour frostlose tristesse
- Finaloption: Mir fällt beim besten Willen kein Getränk ein, mit dem man sich die aktuelle Weltlage einigermaßen erträglich picheln könnte. Vielleicht probiere ich es dann doch mal mit Crack oder Crystal Meth.
- Informatik 2025: Wir investieren Unsummen in teure Werkzeuge und IT-Tools, bezahlen kostspielige Lizenzen, um dann doch wieder nur per Mail und Excel zu kommunizieren.
- Be unnice: Wir sagen manchen unserer Mitmenschen viel zu selten, zu was für Arschlöchern sie mutiert sind, und lassen sie stattdessen durch unsere anerzogene Freundlichkeit in der falschen Annahme leben, ihre Sozialkompetenzen wären „okay, so wie sie sind“.

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