© by Karl Heinz Stille292. Woche – Muss ich wirklich vor die Türe?
- Auchwiederwahr: Wenn man das Schreckliche mit dem Unangenehmen verbindet, nervt’s nur einmal.
1.11.: Verkaufsunoffener Samstag?! Das macht es jetzt auch nicht besser, nur schlimmer am Freitag, weil in zwei Tagen die Welt untergeht und es keine Lieferdienste für den Fall gibt, dass dann doch nix im Haus ist. Die, die sowieso alles an der Tanke kaufen, lachen über so was nur kurz und zahlen lässig mit Karte.
- Chinese Rocks: Wäre man nachtragend, müsste man die Frage stellen, welche Wirtschaftsminister seinerzeit die Verkäufe des Firmentafelsilbers mitsamt ihres Know-hows an chinesische Firmen abgenickt haben. Vom Maschinenbauer über Häfen, Chipfabriken oder Robotikspezialisten war nun wirklich alles dabei.
- Manexplaining: In einer wirklich emanzipierten Welt wären die meisten Männer maximal Lustknaben, manche nicht mal Kleingeldstricher.
- Tapetenwechsel: Am Ende einer abgeschlossenen Familiengeschichte hängt nicht selten nur noch das Wandtattoo, das sich ums Verrecken nicht abkratzen lässt. Besser so, als den Namen des ehemaligen Partners für immer auf dem Oberarm rumzutragen, schließlich lässt sich darüber nun wirklich schlecht irgendein großformatiges Bild hängen.
293. Woche – Hustelrotzelschmuddeldings
- Ruckzuck: Vom Fachkräftemangel zum Stellenabbau in nur einem Dreivierteljahr. Man weiß gar nicht, wem man alles Dankeskarten schicken soll.
- Neues Hobby: Zen-Garten im Katzenklo anlegen. Wenn vorne an der Schaufel doch nur ein kleiner Rechen wäre.
- Das Haverbeck-Prinzip: Du kannst manche Menschen einfach nicht überzeugen, weder mit Argumenten oder guten Worten noch mit Fakten. Wenn die Lebenslüge zum Prinzip geworden ist, kannst du ihnen nur noch das Handwerk legen.
- John Joseph: Warum in aller Welt führt noch irgendjemand Interviews mit Tinybrain-Bloodclot, Johnny Rotten oder Ted Nugent und gibt ihrer beschissenen Meinung irgendeinen Raum, der nicht aus einer kalten, zugigen Ecke hinter dem Raucherbereich besteht?
- Insideruninformationen: Auch wenn man im Grunde gar keinen Schimmer hat, finde ich den Satz „Ich weiß, wie du zu deinem Job gekommen bist“ durchaus eine adäquate Bemerkung gegenüber „Kollegen“ und gänzlich unbekannten Lohnbütteln, die durch anhaltende Inkompetenz und/oder schlechtes Benehmen glänzen.
294. Woche – Vorgestern war irgendwie noch Juli, sagt die Herbstdepression
- Christstullen: Manche Menschen um mich herum sind derart schlicht auf „weihnachtliche Stimmung“ getriggert, die klatschen vor Freude auch in die Hände, wenn sie den ersten aufblasbaren Nikolaus in einem vergammelten Vorgarten erspähen, und schmücken innerlich schon den imaginären Baum, sobald es im Hochsommer bei Aldi die ersten Christstollen gibt.
- Wurmlogik: Den frühen Vogel erkennt man an den Rändern unter den Augen. Oder war’s der Partyvogel? Egal, ich schlaf aus.
- Stupid Aliens: Bei unserem Glück stürzen bei uns nur die dummen Aliens ab. Die Sorte Extraterresten, die ihre Untertassen-Gebrauchsanweisung nur so halb gelesen haben, vielleicht aber auch nur mit einem Auge der Videoanleitung gefolgt sind.
- Comics bilden: Was wir von Carl Barks hätten lernen können? Milliardäre sind eigentlich nie sympathisch. Ihre Hobbys? Geld, noch mehr Geld, in Geld baden und andere knechten.
295. Woche – Zu beschäftigt für Langeweile
- S21 noch mal verschoben: Wo andere nur Hohn und Spott übrighaben, atmet der Stuttgarter auf, denn irgendwie hat man sich so sehr an diese Drecksbaustelle gewöhnt, dass sich ein Leben ohne sie schon fast sinnentleert anfühlen würde. Wenn sie dann doch einmal fertig werden sollten, plädiere ich für eine Wandergedenkbaustelle, auf der zwar nichts gebaut wird, für die aber immerhin der Verkehr jede Woche neu umgeleitet wird. Ein paar Baken, ein Bagger, der auf und ab fährt, und viel Dreck. Oder wir machen es wie die Kölner: deren Dom wird auch nie fertig, denn wenn hinten alles gerichtet ist, bröckelt es vorne schon wieder.
- Marktlücke: Technik wie vor 30 Jahren für die älteren Semester, die mit den neuen Sachen nicht mehr mithalten können oder wollen. Der neue Fernseher meiner Nachbarn hat das Killerfeature „Standby nach fünf Minuten, bei dem lediglich das Bild ausgeht, der Ton aber weiterläuft“. Workaround meines Nachbarn: Einmal ausschalten, dann wieder einschalten. Wer kommt auf so ein Feature? Welchen Usecase gibt es dafür? Warum lebt so jemand, der sich so einen Schwachsinn einfallen lässt, unter Menschen und nicht unter Amöben?
296. Woche: Eine Woche wie jede andere auch, vielleicht auch nicht
- Heizungslektion: Wenn deine Zentralheizung ausfällt, gibt es exakt zwei Arten von Vermietern.
a. Der „Bastler“ probiert es erst einmal selber, vielleicht weiß YouTube ja was.
b. Der „Kümmerer“ ruft einen Fachmann, keine drei Stunden später geht die Heizung wieder. Meine Heizung und das Warmwasser aller anderen Bewohner ging von Donnerstag bis Sonntag nicht, dann hat der Bastler schließlich den Notdienst gerufen, nachdem er schon seit einem Tag nicht mehr ans Telefon gehen wollte. Trotz der Dauer, kann es am Ende auch von Vorteil sein, wenn der Bruder und sein Schwager im selben Wohnkomplex wohnen, denn die haben auch die Nummer seiner Frau.
- Time to go: Wenn dein Arbeitgeber dir deinen neuen Kollegen vorstellt, den du „einlernen“ sollst und dieser nur aus einer Datenbank besteht, die du mit deinem hart erarbeiteten Wissen füttern sollst, wird es Zeit für die Aktualisierung der Bewerbungsunterlagen.
- Märklin 21: Jetzt 100% gefühlsecht mit Baustellen, kaputten Weichen und stundenlangen Verspätungen auf der kleinsten Anlage. Was steht, geht nicht kaputt.
297. Woche – Rotz, Auswurf und 1000 Höllenhunde
- Bröckeleskind: „Atemberaubend“ ist das richtige Wort für das Schneckenbesserungstempo meiner Rüsselseuche.
- Hausmittelchen: Ein altbewährtes Hausmittel gegen einen entzündeten Hals ist das Gurgeln mit Apfelessig. Klingt exakt so ekelhaft, wie es ist. Ganz besonders wenig mag ich den Bio-Apfelessig von Acetino, aber wenn’s hilft, hilft’s!
- Best-Friend: Mein bester Freund war in der vergangenen Woche die Nc’nean-Thermoskanne, die es bei einer Promotionaktion zum Kauf eines ihrer ausgezeichneten Whiskys dazu gab. Manchmal reichen „kleine“ Dinge, um das Leben zu erleichtern.
- Der alte Mann über dem Verfallsdatum: Mit Gottschalk ist es wie mit MANOWAR, es ist eine Abschiedstour über dem Endverbrauchsdatum. Geh bitte endlich in Rente, alter unlustiger weißer Mann.
- Schimmelzeugs: Müsste ich ein Lebensmittel benennen, das ich trotz aller Bemühungen noch nie zu Ende konsumiert habe, bevor es Schimmel angesetzt hat, dann ist das Ajvar. Egal in welcher Größe ich das Zeug auch kaufe, also alle Größen über der Single-Portion, ist es mir bisher noch nie gelungen, es problemlos aufzubrauchen, ohne zu fluchen. In der Regel sieht es so aus, dass ich ein Glas voller Euphorie öffne, um nur drei Tage nach der Erstöffnung und anschließender Verbringung im Kühlschrank mit Pelz am Deckelrand belohnt zu werden. Ajvar, warum bist du nicht so wie Apfelmus? Der beschwert sich auch nach über zwei Wochen im selben Kühlschrank noch kein bisschen.
- NWO: Am Ende sollte man es wie mit toxischen Freundschaften halten, nämlich auf keinen Fall daran fest.
298. Woche – Elend
- Dienstag: Ich taufe meinen Nasenrotz „Sumpfdotterblume“. Was für ein schönes, leuchtendes Gelb. Leider ist er nicht lebensfähig und erhält eine Seebestattung.
- Kopffrei: Selbstoptimierung, Selbstfindung, Innere Ruhe, Raus aus dem Hamsterrad, Raus aus dem Funktionierenmüssen. Diese Kurse klingen immer so wunderbar optimistisch. Aber was ist mit denen, die sich gar nicht finden wollen oder können? Und muss man nicht auch irgendwie „funktionieren“, um so ein Seminar „erfolgreich“ abschließen zu können? Ja, erfolgreich! Oder gibt man sich auch mit „War scheiße, hat nix gebracht, aber das wenige Essen war immerhin okay“ zufrieden?
- I put a spuck on you: Je länger ich darüber nachdenke, hat diese Unsitte, irgendwelche Brücken und unschuldige Geländer mit Vorhängeschlössern zu „verzieren“, auf denen man seinen Namen und den der angebeteten Person „verewigt“ hat, auch eine schöne Kehrseite. Wie wäre es mit einem Gegentrend? Schlösser mit den Namen all der Ex-Partner an die Zäune von Kläranlagen, Müllhalden oder Abdeckereien heften. Hat man richtigen Beef mit einem Ex-Partner, hilft es sicher, wenn man auf das Schloss seine komplette Adresse gravieren lässt, um damit ein wildfremdes Einfahrtstor oder einen Zugang zu einem öffentlichen Gebäude abzusperren. Wo die Liebe eben nicht mehr hinfällt, kann man das auch ruhig zementieren.
299. Woche – Abklingender Husten, alle bekloppt
- Beinamen verpassen und dann Wegignorieren: Wann kommen die Menschen endlich dort an, Strichlisten zu führen und ihm den Beinamen „Donald der Schreckliche“ zu geben, statt jeden Tag aufs Neue seine Eignung für den Dorftrotteljob zur Debatte zu stellen? Bei schlimmer Verwandtschaft räumen wir ja auch nicht bei jedem Familienfest alle Arschlochschubladen aus und bewerten das von Fest zu Fest neu. Nein, der Nazionkel bleibt schön, wo er ist, und die furchtbare, versoffene Tante soll erst einmal auf Entzug gehen, bevor wir wieder ein Wort mit ihr wechseln. Beim Schrecklichen wäre tot umfallen ein Ansatz, um ihn neu zu bewerten. Obwohl ... auch dann nicht.
- Trikotwerbungpoubelle: DHL! Egal auf welchem Trikot, das DHL-Logo sieht immer scheiße aus, immer. Wahrscheinlich hat kein Team außer den AVL-Warriors-Günzburg ein farblich adäquates Trikot, aber die spielen maximal Amateurliga, viertes Untergeschoss.
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