Foto

V.A.

Klar! 80 – Ein Kassettenlabel aus Düsseldorf 1980-1982

Auch wenn gewisse, über die Jahre auf der Strecke gebliebene Medien zur Aufzeichnung und Wiedergabe von Musik inzwischen eher für Stirnrunzeln sorgen dürften, ist die von den frühen Siebziger bis in die späten Neunziger Jahre sehr populäre Musikkassette ähnlich wie Vinyl (beide waren vor der Einführung der CD die beherrschenden Medien) selbst für ein jüngeres Publikum kein Fremdkörper. Denn ähnlich wie Vinyl erlebt auch die Musikkassette gerade ein komisches Revival und scheint sich als Sammlerobjekt großer Beliebtheit zu erfreuen – warum auch immer. Für reine Tape-Labels wie Pissende Kuh Kassetten oder Graf Haufen Tapes, die Anfang bis Mitte der Achtziger ihre Hochzeit hatten, war die Audiokassette schlichtweg ein billiges, leicht zu reproduzierendes Medium (im Gegensatz zur einer LP), mit dem man skurrile Klänge ohne großartigen kommerziellen Hintergedanken unter die Leute bringen und an der GEMA vorbeischleusen konnte. Dazu kann man auch Rainer Rabowskis, in Düsseldorf ansässiges, recht kurzlebiges Label Klar! 80 zählen, auf dem von 1980 bis 1982 18 Musikkassetten veröffentlicht wurden, von denen Bureau B 13 Songs für diese Compilation ausgewählt und gelungen entstaubt hat. ROTER STERN BELGRAD, die Band von Rabowski selbst, ist gleich dreimal vertreten, des weiteren gibt es Bands mit skurrilen Namen wie ERASERHEAD oder BLÄSSE (mit Alexander Hacke und dem kürzlich verstorbenen Xao Seffcheque, der hier auch noch als XAO SEFFCHEQUE UND DER REST auftaucht). Oder auch CHBB, hinter denen die späteren LIAISONS DANGEREUSES-Mitglieder Chrislo Haas (bis 1980 bei DAF) und Beate Bartel (MANIA D.) steckten, die unter diesem Namen vier Kassetten veröffentlichten. Hier nicht vertreten, aber dafür auf dem Klar! 80-Sampler „Alles oder nichts“ waren etwa auch frühe S.Y.P.H. (noch mit Ralf Dörper von DIE KRUPPS) oder der Pyrolator. 13 aus 18 Musikkassetten ausgewählte Songs kann man sicher nicht als allumfassenden Label-Retrospektive bezeichnen, dennoch liefert diese Compilation einen interessanten Querschnitt dessen, was zu dieser Zeit in einer regionalen Subkultur an experimentellen, elektronischen und innovativen Klängen abseits der kommerziellen Neuen Deutschen Welle alles möglich war.