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V.A.

Make More Noise – Women In Independent UK Music 1977-1987

Alles unter einer 4-CD-Box mit 90 Künstlerinnen und Songs wäre bei diesem Thema ein Skandal gewesen. Die Box im Taschenbuch-Look&Feel startet im Booklet mit dem Zitat von Emmeline Pankhurst aus dem Jahr 1913, das den Titel dieser Zusammenstellung liefert: „You have to make more noise than anybody else, you have to make yourself more obtrusive than anybody else, you have to fill all the papers more than anybody else, in fact you have to be there all the time and see that they don’t snow you under.“ Weibliche Kunst- und Kulturschaffende werden das (noch) unterschreiben können. Punk war (ist!)) zwar in manchen seiner Erscheinungsformen auch eine ziemlich machistische Veranstaltung, doch schafften es aus dieser Bewegung heraus auch viele Frauen in den Vordergrund, weil die individualistische Note dieser Rebellion auch viel Empowerment bedeutete und ermöglichte. So ist der Titel hier zwar weiter gefasst als Punk, aber letztlich, und das merkt man der ersten der vier CDs klar an, ging es hier los, etwa mit X-RAY-SPEX, Kirsty Maccoll, PAULINE MURRAY AND THE INVISIBLE GIRLS, MO-DETTES, POISON GIRLS, AU PAIRS, PENETRATION, THE SLITS und vielen anderen, die das Team zusammengestellt hat, das auch für die „Scared To Get Happy“ und C86-Boxen verantwortlich ist. Klar, man hat sich aus dem Fundus von Cherry Red bedient, aber der ist so umfassend, dass das Bild, das sich von zehn Jahren weiblich geprägter Indie-Musik in UK hier zeichnen lässt, sehr facettenreich ist. Toyah ist dabei, Nico, BANANARAMA, THE SELECTER, JANE, COSEY FAN TUTTI, YAZOO, THE RAINCOATS, COCTEAU TWINS, LOST CHERREES, VICE SQUAD, Tracey Ullman, FUZZBOX, TALULAH GOSH, THE PRIMITIVES, ROTE KAPELLE, THE DELMONAS, BIFF BANG POW!, Joolz, THE PRIMITIVES ... Rund 5 Stunden beste Musik, ergänzt im Booklet um einen Aufsatz von Lucy O’Brien (Autorin von „She Bop“) und wie gewohnt detailgenauen diskografischen Angaben und Biografien. Man wünschte sich, dies wäre eine Podcast-Serie mit einem Mix aus Erzähltext und Musik. Unbedingt hörens- und lesenswert.