Foto

V.A.

You’re No Big Deal

„Grunge, the U.S. underground and beyond 1984-1994“ lautet der Untertitel dieser vier CDs und 81 Bands respektive Songs umfassenden Compilation. Und wer jetzt schon tief einatmet und loslegen will mit so was wie: „Grunge, hör mir auf mit dem ganzen Hype!“, möge bitte weiterlesen. Denn zusammengestellt, besser: kuratiert, haben das Ding hier Richard Anderson und Mark Arm — genau, der von MUDHONEY, der bis heute die Lagerlogistik bei Sub Pop macht und so was wie der intellektuelle Beobachter der Musikszene von Seattle von den frühen 1980ern bis heute ist. Der alle(s) kennt und um alle Zusammenhänge weiß. Von ihm sind auch die in Interviewform verfassten Linernotes, die perfekt kontextualisieren, was da im Nordwesten der USA ausgebrütet wurde ab Mitte der 1980er und wie das mit krediblen Bands anderswo in den USA (in NYC, in Austin, in L.A. ...) über DIY-Szenekontakte verknüpft war, bis nach Australien. Und so wurde „You’re No Big Deal“ zum Manifest des guten Geschmacks, zu einer Compilation mit keinem einzigen Ausfall, zu einem Grundkurs in Sachen Punk-Parallelspur, zu einem Repetitorium für Allwissende. Wer so voreilig war, seinen CD-Player verkauft zu haben („Man kann ja alles streamen!“), ist ein Dummkopf, diese Einsicht vermittelt spätestens diese CD-Box. Es folgt das Namedropping: GREEN RIVER, REDD KROSS, POISON 13, THE SCIENTISTS, HÜSKER DÜ, DINOSAUR JR, U-MEN, PIXIES, FEEDTIME, COSMIC PSYCHOS, CELIBATE RIFLES, MUDHONEY, BABES IN TOYLAND, SCREAM, GIRL TROUBLE, TAD, SKIN YARD, SONIC YOUTH, L7, PAVEMENT, POISON IDEA; NOMEANSNO, 7 YEAR BITCH, MERCURY REV, COP SHOOT COP, TREEPEOPLE, MONKEYWRENCH, BEASTS OF BOURBON, THE GITS, SUPERCHUNK, DEAD MOON, MELVINS, WOOL ... Muss man die alle kennen? Ja, alle! Super Teil, auch für diejenigen, die schon alles haben, weil: context is everything.

Anzeige